Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Netfonds AG

Ein geteiltes Quartal – Irankrieg forciert Liquiditätspräferenz

Das 1. Quartal 2026 zeichnete sich durch einen Bruch aus. Es war ein geteiltes Quartal. Der erste Teil dauerte bis zum 27. Februar 2026 an. Die Intervention der USA in Venezuela Anfang Januar steckten Märkte und Wirtschaft noch „sportlich“ weg. Mit dem dann am 28. Februar 2026 folgenden Irankrieg, einem exogenen, nicht endogenen Impakt, ergaben sich völlig neue Einflussgrößen für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte.

Bis zum 27. Februar war die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten (Allzeithochs im Januar bei DAX und S&P, Nikkei im Februar) und die Zuversicht in der Realwirtschaft, messbar an Sentiment-Indikatoren, ausgeprägt. Mit dem Beginn des Irankriegs und der Fehleinschätzung der USA und Israels ob des Verlaufs der militärischen Auseinandersetzung, die andauert und deren Ende zum aktuellen Zeitpunkt mit Hoffnungswerten (2 – 3 Wochen) verbunden ist, wichen Risikobereitschaft und Zuversicht Risikoaversion an den Märkten und Pessimismus und Sorge in der Wirtschaft.

Der Irankrieg stellt die Versorgung der Weltwirtschaft mit Energie, Düngemitteln (Welternährungssituation) und Helium (essentiell für Chip-Produktion) infrage. Die aktuellen und potentiellen Wirkungskanäle dieses Kriegs sind global ungleich ausgeprägter als die des Ukrainekriegs.

In der Folge dominierte seit dem 28. Februar an Märkten Liquiditätspräferenz, unter der alle Anlageklassen (ex Bitcoin) litten, und in der Wirtschaft weit überwiegend (ex Militär) Investitionsaversion.

Der Ukrainekrieg stand in Folge des Irankriegs weniger im Mittelpunkt. Gleichwohl setzt er sich unvermindert fort. Die gegenseitige Zerstörung der Energieinfrastruktur belastet im Kontext des Irankriegs stärker ob der Frage der globalen Energieversorgungssicherheit als auch der Energiepreise und deren Folgen (Inflation/Zinsen).

Am Ultimo des Quartals lieferte US-Präsident Trump entlastende Akzente, die sich an den Finanzmärkten zunächst positiv zum Quartalsende auswirkten. Trump kündigte einen baldigen Abzug der USA aus dem Iran an. Der Abzug könne innerhalb von zwei bis drei Wochen erfolgen. Es habe bereits einen Regimewechsel gegeben. Möglicherweise könne vorher noch eine Vereinbarung getroffen werden. Der Iran müsse jedoch kein Abkommen schließen, damit die USA ihren Krieg beenden.

Auch in den Vorquartalen stellte die Geopolitik einen Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte dar. Die jetzige Qualität ist jedoch ungleich bedrohlicher. Die jüngsten Aussagen Trumps setzten zum Quartalsende positive Hoffnungswerte.

Als Konsequenz dieser Gemengelage ergaben sich für alle Anlageklassen ex Bitcoin (Schwäche zuvor) nach dem 27. Februar Kursverluste. Insbesondere die nicht korrelierte Anlageklasse der Edelmetalle gab nach Rekorden zuvor (Gold und Silber, 28. Januar) markant nach. Im Quartalsvergleich kam es bei Gold dennoch zu einem Plus in Höhe von 8,13 % und bei Silber in Höhe von 4,97 %. Dagegen verlor Bitcoin als nicht korrelierte Anlageklasse im Quartalsvergleich 22,08 %.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhöhte die globale Wachstumsprognose vor dem Irankrieg im World Economic Outlook per Januar 2026 für das Jahr 2026 von bisher 3,1 % auf 3,3 %. Für die Industrieländer wurde die Prognose per 2025 um 0,2 % auf 1,8 % hochgesetzt, für den Globalen Süden lag die Revision bei 0,2 % auf 4,2 %. Innerhalb der Industrienationen wurde die BIP-Prognose für die USA um 0,3 % auf jetzt 2,4 % erhöht. Für die Eurozone ging es um 0,1 % auf 1,3 % nach oben. Die deutsche BIP-Prognose erfuhr eine Anpassung um 0,2 % auf jetzt 1,1 % Wachstum per 2026. Die IWF-Prognose per 2027 war gegenüber der Prognose im Oktober global unverändert. Das Welt-BIP soll um 3,2 % zulegen. Während Industrienationen ein BIP-Wachstum von 1,7 % erreichen sollen, werde das BIP-Wachstum des Globalen Südens sich auf 4,1 % stellen.

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich in der westlichen Welt zum Ende des 1. Quartals 2026 ein positives, aber weniger dynamisches Gesamtbild als vor dem Beginn des Irankriegs. Japan führt mit 52,5 Punkten im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) bezüglich der westlichen Industrienationen oder Industrieregionen, gefolgt von den USA mit 51,4 Zählern vor dem UK mit 51,0 Zählern und der Eurozone mit 50,5 Punkten. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen der Welt rangiert Indien weiter auf dem ersten Rang mit 56,5 Punkten. Chinas Composite Index stellte sich auf 50,5 Zähler.

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 1. Quartal 2026 mit dem Ausbruch des Irankriegs weltweit ein überwiegend kritischeres Bild. Entscheidend waren die anziehenden Energiepreise. Im Quartalsvergleich stieg der Ölpreis (Brent) von 61,74 USD auf in der Spitze mehr als 118 USD, um das Quartal bei 103,30 USD zu beschließen (+67,31 %). Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Anstieg um circa 80 % im Quartalsvergleich, in den USA dagegen ein Rückgang um knapp 22 %.

Bei Industriemetallen stellte sich ein divergentes Bild der Preise ein. Während Kupferpreise im Quartalsvergleich auf USD-Basis um rund 3,3 % sanken, kam es bei Nickel zu einem Anstieg auf USD-Basis um rund 0,6 %. Bei Aluminium (energieintensive Produktion) kam es auf USD-Basis zu einem Plus in Höhe von circa 15,7 %.

Das Bild bei Verbraucherpreisen ist unvollständig, da überwiegend Daten für März nicht verfügbar sind. Im März ergab sich bedingt durch Energiepreisanstiege eine grundsätzlich verschärfte Inflationslage. In der Eurozone kam es bei den Verbraucherpreisen seit Dezember 2025 ausgehend von 1,9 % zu einem Anstieg auf 2,5 % per März 2026 (vorläufiger Wert). In den USA ergab sich ein Rückgang von 2,7 % auf 2,4 % per Februar 2026 und in Großbritannien eine Reduktion von 3,2 % auf 3,0 % per Februar 2026. In Japan gaben die Verbraucherpreise im Zeitfenster Dezember bis Februar von 2,1 % auf 1,3 % nach. Im 1. Quartal 2026 stellte sich bei den Verbraucherpreisen in China im Verlauf ausgehend von 0,8 % im Dezember ein Anstieg auf 1,3 % per Februar 2026 ein. In Indien, das grundsätzlich von höheren Inflationsraten geprägt ist, kam es zu einem Plus der Verbraucherpreise von 1,33 % per Dezember auf 3,21 % per Februar 2026.

Das 1. Quartal 2026 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von einer abwartenden Haltung bezüglich neuer Zinsmaßnahmen. Mit dem Beginn des Irankriegs ergab sich seitens der Zentralbanken eine kritischere Haltung bezüglich zukünftiger Zinssenkungserwartungen. Das Thema potentieller Zinserhöhungen wurde hoffähig.

Tabelle 1: Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise (Copyright Netfonds AG)
LänderAktuell verfügbarer WertMonat Dezember 2025
USA:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)

2,4 % (Februar)
3,4 % (Februar)
2,7 %
3,0 %
Eurozone:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)

2,5 % (März)
-2,1 % (Januar)
1,9 %
-2,1 %
Deutschland:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)

2,7 % (März)
-3,3 % (Februar)
1,8 %
-2,5 %
UK:
Verbraucherpreise (J)

3,0 % (Februar)
3,4 %
China:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)

1,3 % (Februar)
-0,9 % (Februar)
0,8 %
-1,9 %

Fazit: Die Weltwirtschaft verliert wegen der geopolitischen Krisenherde, allen voran des Irankriegs mit Energieversorgungs-, Inflations- als auch Zinsrisiken als Folge, aber auch wegen mangelnder Reformpolitik in Frankreich und Deutschland Potentialwachstumskräfte. Hintergründig wirkt die disruptive US-Zoll-, Sanktions- als auch Standortpolitik erodierend. Die IWF-BIP Prognosen sind diesbezüglich anfällig für negative Anpassungen. Ob ein globales Wachstumstempo über 3 % gehalten werden kann, ist offen.

Die Konjunkturverläufe zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens blieben und bleiben losgelöst von den aktuellen Krisenherden grundsätzlich pro Globalem Süden ausgerichtet.

Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, läuft der „Westen“, allen voran Europa, das Risiko durch Abgrenzungspolitik und zusätzlich durch die Akzeptanz des „US-Zolldiktats“ und Verweigerung überfälliger Reformen unterproportional zu wachsen. Das bis Februar 2026 moderate Inflationsbild weicht einem Szenario verstärkter Preisanstiege. Damit ist das Thema Zinssenkungsszenarien zunächst abgeschlossen. 

Die Perspektive: Geopolitische Risiken markant, Märkte und Wirtschaft nervös

Die von den USA und Israel ausgehenden geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen durch den Irankrieg werden sich grundsätzlich auf die globale Wirtschaftsaktivität weiter belastend auswirken, selbst wenn es zu einem nahen Kriegsende kommen sollte, da wesentliche Teile der globalen Energieinfrastruktur zerstört sind.

Gleichwohl bedeutete ein nahes Kriegsende, dass sich die Krisensituation entspannte und die Schäden dann transparent würden und der Wiederaufbau beginnen könnte. Die geopolitischen Risiken bleiben markant. Entsprechend wird Nervosität in der Realwirtschaft und an Märkten weiter anhalten. Vor diesem Hintergrund ist ein nachhaltiger Lastwechsel in Richtung verstärkten globalen Wachstums unwahrscheinlich, eine Verstetigung auf reduziertem Niveau jedoch möglich.

Weitere von den USA ausgehende Turbulenzen sind im Rahmen der gewollten Disruption zur Neugestaltung des Welt-Organigramms zu Gunsten von US-Interessen latent möglich, aber hinsichtlich der aktuellen Erfahrung im Irankrieg zunächst weniger wahrscheinlich (Kuba).

Ob das Thema Friedensbemühungen der USA in der Ukraine-Krise verstärkt wird, ist offen. Im 1. Quartal 2026 drehte sich das milde globale Inflationsszenario und das daraus resultierende Potential für Zinssenkungen im Monat März. Ein Kriegsende im Irankonflikt hätte das Potential, die positive Preisdynamik zu brechen, ohne jedoch den Status vor dem Irankrieg wiederherzustellen, da Engpässe in der globalen Energieversorgung moderiert, jedoch nicht eliminiert würden. Das Thema Zinssenkungen steht im 2. Quartal 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf der Agenda.

Die US-Politik unter Präsident Trump zeigte und zeigt in der US-Wirtschaft Wirkung. Durch die Reformen, die das Leistungspotential der Ökonomie erhöhen, wirken sich die US-Disruptionen in einer relativen Betrachtung insbesondere gegenüber Europa fortgesetzt zu Gunsten des US-Standorts aus. Der Blick auf Energiepreise (Gaspreise Europa +80 %, USA -22 % im Quartalsvergleich) und Energieversorgungssicherheit unterstreichen diesen Aspekt.   Das US-Wachstum per 4. Quartal 2025 wurde im Rahmen der Revisionen am Ende auf 0,7 % in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung angepasst. Damit ergibt sich für das Gesamtjahr 2025 ein BIP-Anstieg um rund 2,1 %. Damit bleiben die USA das Land mit dem stärksten Wachstum im Vergleich der bedeutenden westlichen Industrienationen. Die Industrieproduktion stieg im Jahresvergleich per Februar um 1,44 % nach 2,33 % per Januar. Die Einzelhandelsumsätze verzeichneten per Februar einen Anstieg um 3,71 %. Die lange Zeit in Rezession befindliche US-Immobilienwirtschaft bleibt im Krisenmodus insbesondere durch die Zinssteigerungen am Kapitalmarkt im letzten Berichtsmonat. Der NAHB Housing Market Index stand per März 2026 mit 38 Punkten weiter deutlich im kontraktiven Bereich.

Deutschland und Frankreich waren mangels umfassender Reformpolitik im 1. Quartal 2026 Belastungsfaktoren in der Eurozone. In Frankreich bleibt die Situation kritisch, da die Minderheitsregierung keine Möglichkeiten hat, nachhaltige Reformpolitik zu etablieren.

Die deutsche Regierung bewegt sich zwischen Wortbrüchen und Reformankündigungen, ohne bisher ausreichend belastbare Inhalte zu produzieren, und hat laut Meinungsumfragen das Vertrauen der Bevölkerung, aber auch großer Teile der Wirtschaft verloren. Die ehemaligen Problemländer, allen voran Spanien, Portugal, Irland und Griechenland, sind dank der Reformen die Stabilisatoren der Eurozone. Ihre Kraft und ihr Einfluss reichen jedoch nicht aus, das Blatt der Eurozone nachhaltig zu wenden. Das Risiko, dass Deutschland und Frankreich die EU und Eurozone im relativen Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen im 2. Quartal 2026 weiter nach unten ziehen, steht im Raum. Fehlende Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und die Strukturkrise Frankreichs sind die belastenden Merkmale. Kontinentaleuropa (ex Schweiz) wird Verlierer innerhalb des Westens bleiben.

Indien liefert unverändert in Asien die stärksten Datensätze, obwohl Indien durch den Irankrieg an Dynamik verlor. Die wirtschaftsfreundliche Grundausrichtung der Regierung Chinas stabilisiert den regionalen Ausblick im Hinblick auf die exogenen Herausforderungen. Jüngste Datensätze, ob Sentiment-Indikatoren (PMIs) oder harte Daten wie Industrieproduktion, Unternehmensgewinne und Einzelhandel zeigten positive Tendenzen oder waren zumindest widerstandsfähig. Weitere Zinssenkungen zur stärkeren Stimulanz sind im Hinblick auf den hohen positiven Realzins jederzeit möglich. Die Daten Chinas sollten vor diesem Hintergrund weiter von Stabilität mit positivem Grundton geprägt sein.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer gedämpften, aber noch positiven Dynamik der Weltkonjunktur. 

Der Einkaufsmanagerindex (Erstschätzung März) signalisiert in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die USA mit 52,4 Punkten (S&P Index) Expansion. Gleiches gilt für den PMI der Eurozone mit 51,4 Punkten (Deutschland 51,7), für Japan mit 51,4 Zählern und für das UK mit 51,4 Zählern.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor belegen für Indien mit 53,8 Zählern kommode Expansion und für China mit 50,4 Punkten (Industrieproduktion +6,2 %) moderates Wachstum. Russland verzeichnete mit 48,3 Zählern (Industrieproduktion im Jahresvergleich -0,9 %) Kontraktion. Gleiches gilt für Brasilien mit 49,0 Punkten (Industrieproduktion +0,2 %).

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im 1. Quartal 2026 laut Einkaufsmanagerindices in einer Gesamtbetrachtung im Wachstumsmodus. Gegenüber dem Vorquartal kam es jedoch ex Japan (Wirtschaftspaket) zu Abschwächungen. Auch hier spielt der Einfluss der Geopolitik eine bedeutende Rolle, da das Verarbeitende Gewerbe Dienstleistungen in Anspruch nimmt.     

Tabelle 2: Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors im Vergleich (Copyright Netfonds AG)
LandMärz 2026 DienstleistungenDezember 2025 Dienstleistungen
Eurozone50,1 (Erstschätzung)52,4
Deutschland51,2 (Erstschätzung)52,7
UK51,2 (Erstschätzung)52,1
USA51,1 (Erstschätzung)52,5
Japan52,8 (Erstschätzung)51,6
Indien57,2 (Erstschätzung)58,0
China (NBS Index)50,150,2
Russland51,3 (Februar)52,3
Brasilien53,1 (Februar)53,7

Am Rentenmarkt zeichneten sich verstärkte Risiken ab, die zukünftig systemische Relevanz entwickeln können. Das gilt insbesondere für die Länder mit hoher Staatsverschuldung. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe bewegt sich auf den höchsten Niveaus seit 2011. In Frankreich ist es das höchste Renditeniveau seit 2009. Japan sticht mit dem höchsten Niveau seit 1997 ins Auge. Dagegen ist die Situation in den USA weniger problematisch. Dort handelt es sich um das höchste Renditeniveau seit Frühjahr 2025.

Nach vorne schauend werden bezüglich der Renditen heterogene Entwicklungen dominieren, die das inflationäre Bild, die Staatsdefizitsituation, die Reformfähigkeit und das konjunkturelle Erwartungsbild spiegeln. Diesbezüglich (Defizite, Wachstum, Reformmangel) sieht es insbesondere für die Rentenmärkte in Japan, in Frankreich und in Großbritannien perspektivisch kritisch aus.

Der Industrierohstoffsektor hatte auf die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte insbesondere bezüglich der Energiepreise belastende Auswirkungen. Ölpreise legten massiv zu (Brent +67 %), Gaspreise ex USA (-22 %) zogen in Europa (+80 %) und global markant an. Die Industriemetallpreise lieferten ein durchwachsenes Bild. Im Sektor der Agrarrohstoffe gab es keine klare Richtung:  Weizen +8,2 %, Kaffee -16,5 %, Orangensaft -5,9 %, Zucker +6,7 % und Kakao (-41,5 %). Losgelöst von der rückwärtigen Betrachtung bei Agrarrohstoffen ist das Risiko steigender Agrarpreise virulent, da die Preise für das bedeutende Düngemittel Urea (Golfstaaten maßgebliche Produzenten) massiv gestiegen sind. Seit dem 27. Februar legten die Preise pro Tonne von 466 USD auf aktuell 693 USD zu. Diese Verwerfung wirkt auf zukünftige Agrarpreise.

Sowohl die Entwicklung der Weltwirtschaft als auch die der Finanzmärkte hängt mehr denn je an der internationalen Politik. Der entscheidende Katalysator für die Zukunft ist die Frage, wie es im Irankonflikt weiter geht. Im ungünstigsten Fall einer weiteren Eskalation steht Weltrezession, Welthunger und globale Verarmung auf der Agenda. Im günstigsten Fall kommt es zu einer Stabilisierung und Bodenbildung.

Im relativen Vergleich stehen die USA, Russland und China bezüglich der Themen Energie, Autarkie, Rahmendaten und direkte als auch indirekte Folgen des Irankriegs (u.a. Migration) am besten da. Europas Energieabhängigkeit und das hiesige Energiepreisniveau als auch die Reformschwäche Frankreichs und Deutschlands gekoppelt mit langjähriger Politik gegen und nicht für die Wirtschaft (EU-Regulierungen) machen Kontinentaleuropa fortgesetzt sehr vulnerabel.   

Aktienmärkte: zunächst freundlich, ab 27. Februar im Abverkauf

Das Winterquartal war an den Aktienmärkten zweigeteilt. Bis zum 27. Februar fielen Rekorde, unter anderem bei dem DAX, dem S&P 500 oder dem Nikkei-Index. Bereits ab Ende Januar standen Tech- und AI-Werte unter Druck. Die „Tech- und AI Story“ wurde in Frage gestellt.      Mit dem Beginn des Irankriegs brachen die Aktienmärkte dann ein, um Ende März leichte Erholungstendenzen zu zeigen. Der MSCI-World Index verlor im Quartalsvergleich 3,88 %.      Der DAX gab um 7,39 % nach. Der EuroStoxx 50 verlor lediglich 2,60 %. US-Märkte standen unter Verkaufsdruck. So verzeichnete der S&P 500 ein Minus in Höhe von 4,63 %. Der US-Tech 100 fiel um 6,79 %.

Positiv stach der Nikkei Index Japans mit einem Plus in Höhe von 1,11 % im Quartalsvergleich ins Auge. In Asien verlor der indische Sensex Index mit 15,57 % am stärksten, gefolgt vom CSI-Index Chinas mit -3,88 % und dem HangSeng-Index (Hongkong) mit -3,29 %.

Tabelle 3: Vergleich der Aktienmärkte auf Quartalssicht (Copyright Netfonds AG)
Index31.03.202631.12.2025Veränderung
MSCI world4.258,314.430,08-3,88 %
DAX (Xetra)22.680,0424.490,41-7,39 %
EuroStoxx 505.652,785.803,56-2,60 %
S&P 5006.528,526.845,52-4,63 %
US Tech 10023.740,1925.468,55-6,79 %
Nikkei Index51.063,7250.501,81+1,11 %
CSI Index4.450,054.629,94-3,88 %
HangSeng Index24.788,1425.630,54-3,29 %
Sensex Index71.947,5585.219,74-15,57 %

Teile der Grundlagen für freundliche Aktienmärkte sind erodiert. Das Thema Zinssenkungen als positiver Katalysator ist entfallen. Im Gegenteil jetzt drohen potentiell Zinserhöhungen. Das Konjunkturbild hat sich eingetrübt. Damit fehlen unterstellte Skaleneffekte bezüglich der Profitabilität der Unternehmen. Fehlende Energieversorgungssicherheit ex USA und ex Russland wirken hemmend. Zudem zerlegt die US-Politik die die Weltwirtschaft tragenden Organigramme fortgesetzt. Damit fehlt Planungssicherheit und Investitionssicherheit.

Für das Frühjahrsquartal liegt der Fokus auf der weiteren Entwicklung des Irankriegs und des dahinterstehenden Konflikts. Entspannung forciert nach der Neubewertung Chancen, Verspannung dagegen erneutes Abwärtspotential. 

Rentenmärkte: Renditeanstieg für einige Länder zunehmend kritisch

Die Rentenmärkte lieferten im 1. Quartal 2026 Renditeanstiege zwischen 0,14 % (USA) und 0,45 % (UK) bezüglich der jeweiligen 10-jährigen Staatsanleihen. Nur in China kam es zu einem Renditerückgang (0,05 %).

Die Gründe für die Versteifung der Renditen sind vielfältig. Einerseits haben sich seit Ende Februar die Inflationserwartungen abrupt versteift und Zinssenkungserwartungen platzten. Zudem erodiert das Vertrauen in die hoch verschuldeten Länder bezüglich der Frage, ob diese Länder genügend Wirtschaftskraft haben, die Schuldentragfähigkeit zu erhalten.

Das gilt allen voran für Japan (+0,27 %, Staatsverschuldung 227 % des BIP), für Frankreich (+0,26 %, Staatsverschuldung 120 %) und Großbritannien (+0,45 %, Staatsverschuldung 105 %).  Zusätzlich spielt eine Rolle, dass die westliche Außenpolitik zu einer immer stärkeren Isolierung westlicher Länder gegenüber den erfolgreichen Ländern des so genannten Globalen Südens führte und führt, aktuelle Handelsabkommen der EU hin oder her.

Die Bereitschaft im Globalen Süden, westliche Länder zu finanzieren, verblasst, da sich in den eigenen Reihen attraktive Möglichkeiten bieten. Quantifizieren lässt sich das beispielsweise daran, dass seit dem Beginn des Irankriegs Zentralbanken 90 Mrd. USD an US-Staatsanleihen verkauften.

Bei Fortsetzung oder sogar Eskalation des Irankriegs droht weiteres Ungemach an den Rentenmärkten. Für Länder mit hoher Staatsverschuldung und Reformunfähigkeit stellten sich systemische Fragen, die von den Finanzmärkten bisher nicht diskontiert wurden. Insbesondere Länder der Eurozone (Frankreich im Fokus) laufen erhöhte Gefahren, da die Eurozone kein homogener politischer Raum vergleichbar mit den USA ist. Entspannung in der Irankrise kann die Situation temporär entschärfen. 

Tabelle 4: Vergleich der Rendite-Entwicklungen an den Rentenmärkten (Copyright Netfonds AG)
Rendite 31.12.2025Rendite 31.03.2026VerbraucherpreiseRealzins (RENdite-CPI)
10-jährige US-Staatsanleihen4,18 %4,32 %2,4 % (Februar)+1,92 %
10-jährige Bundesanleihen2,86 %3,01 %2,5 % (März)+ 0,51 %
10-jährige Staatsanleihen Frankreich3,56 %3,72 %1,9 % (März)+ 1,82 %
10-jährige britische Gilts4,47 %4,92 %3,0 % (Februar)+ 1,92 %
10-jährige Staatsanleihen Japan2,08 %2,35 %1,3 % (Februar)+ 1,05 %

Devisenmärkte: „Safe Haven“ Status des USD erodiert, Gold und Silber stehlen die Show

Der Euro konnte im 1. Quartal 2026 die vorherige Stärke gegenüber dem USD nicht vollständig verteidigen. Der EUR verlor überschaubar an Boden und bleibt ob der Konjunkturschwäche, der Strukturdefizite und mangelnder Reformpolitik als auch Energierisiken weiter hoch bewertet. Die Resilienz des Euros war im 1. Quartal 2026 bemerkenswert. Belastende Daten und Fakten perlten ohne substantielle Wirkung ab.

Der sogenannte „Safe Haven“ Reflex, in Krisenzeiten Sicherheit im USD zu suchen, fiel im historischen Kontext bezüglich des Irankriegs widerwillig und unterproportional aus. Ein Erklärungsansatz bietet die erodierende Akzeptanz des USD wegen des Risikos von Sanktionsregimen und der „Gutsherrenart“ und Unberechenbarkeit der US-Außenpolitik.     Gegenüber dem JPY, CHF und GBP waren die Veränderungen des EUR im Quartalsvergleich mit deutlich unter 1 % eher kosmetischer Natur.

Silber (+4,97 %) und Gold (+8,13 %) waren im 1. Quartal 2026 trotz des starken Abverkaufs im Zuge des Irankriegs erneut die Gewinner im Quartalsvergleich. Die Performance von Gold und Silber („Währungen ohne Fehl und Tadel“) im relativen Vergleich zu den Währungen kann als Ausdruck eines Vertrauensverlusts in das westliche Finanzsystem interpretiert werden. Der Anstieg im Quartalsvergleich belegt die Rolle als nicht korrelierte Anlageklasse.

Bitcoin war im 1. Quartal 2026 wie bereits im Vorquartal der große Verlierer. Bitcoin ist keine „Quasi-Währung“, sondern als Krypto-Anlage eine Anlageklasse. Die Funktionalität, als nicht korrelierte Anlageklasse in Krisenzeiten relative Stabilität zu gewährleisten, war in den letzten sechs Monaten nicht gegeben.      

Tabelle 5: Devisenkursschwankungen (Copyright Netfonds AG)
30.09.202531.12.2025Veränderung
EUR-USD1,17361,1745+ 0,08 %
EUR-JPY173,51183,99+ 6,04 %
EUR-CHF0,93380,9303– 0,37 %
EUR-GBP0,87280,8718– 0,11 %
Bitcoin/USD114.19287.544– 23,34 %
Gold/USD3.858,414.318,27+ 11,92 %

Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Netfonds AG

Gastbeitrag von Kay-Peter Tönnes, Geschäftsführer der Antecedo Asset Management GmbH

All In!

America First!

„Es läuft nicht richtig!“ wird sich der amerikanische Präsident Donald Trump sicher mehrfach vor dem kommenden Jahreswechsel gedacht haben. Die Wirtschaftsdaten sind am Ende des ersten Amtsjahres seiner zweiten Amtszeit eher schlechter als bei seinem, von ihm verachteten, Vorgänger. Besonders die Inflation, die zu bekämpfen eines seiner wichtigsten Wahlkampfversprechen war, ist eher wieder am Ansteigen denn am Sinken.

Von außen betrachtet zeigt sich das Ansehen seiner Regierung bei den Amerikanern klar in den aktuellen Meinungsumfragen. Die erste Graphik zeigt den Anteil der Zustimmung zu Trumps Amtsführung (grüne Linie) und den Anteil der Ablehnung (rote Linie).

Gemessen an Trumps Zustimmungswerten am Ende seiner ersten Amtszeit sind diese Daten noch nicht einmal katastrophal, und Trump selber kann nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren, aber am 3. November 2026 werden die Zwischenwahlen in den USA stattfinden. Hierbei wird das gesamte Repräsentantenhaus (erste Parlamentskammer), ein Drittel des Senats (2. Parlamentskammer) und 36 Gouverneure (Regierungschefs der Bundesstaaten) neu gewählt. In vielen Fällen wird der bisherige Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl antreten, so dass diese Wahl auch zu einem Generationenwechsel in der amerikanischen Politik wird.

Bei den relativ geringen Mehrheiten, über die Trumps Partei, vor allem im Repräsentantenhaus, verfügt, ist diese Wahl viel mehr als nur ein Zwischenstand seiner zweiten Amtszeit. Denn sollte Trump diese Wahl deutlich verlieren und damit auch die Mehrheiten in den Parlamentskammern, dann wäre sein Handlungsspielraum in den ihm verbleibenden zwei Jahren nur noch gering. Und viel schlimmer noch, ohne sein Image als Sieger und Garant für Wahlsiege würde sich seine eigene Partei vermutlich schon frühzeitig nach geeigneten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2028 umsehen. Sein Ziel, als Übervater der Partei auch seine Nachfolge zu regeln und damit auch über seine Amtszeit hinaus Macht und Einfluss zu behalten, wäre so schon frühzeitig erledigt.

Das zu verhindern, hat Trump noch fast das gesamte Jahr 2026 Zeit. Und damit es nicht so kommt, braucht Trump ökonomische Erfolge. Das ist die Hauptwährung in amerikanischen Wahlkämpfen. Die aktuellen Wirtschaftsdaten sind für amerikanische Verhältnisse eher durchwachsen und deutlich entfernt von den fantastischen Aussichten, die Trump im Wahlkampf versprach. Doch es lässt sich heute schon erkennen, mit welchen Maßnahmen hier die gewünschte Entwicklung erreicht werden soll.

Zuerst zu nennen ist hier die Zinspolitik. Begleitet von der unaufhörlichen Aufforderung des Präsidenten, mehr zu tun, hat die Fed bereits in diesem Jahr mehrfach die Zinsen gesenkt. Die positiven Auswirkungen hiervon werden wir in 2026 spüren können. Doch Trump wird dies vermutlich noch lange nicht reichen. Die folgende Graphik zeigt die aktuell eingepreiste Veränderung des amerikanischen Leitzinses im kommenden Jahr (blaue Linie). Die rote Linie zeigt die Entwicklung dieses Leitzinses, wie sie Donald Trump vermutlich gerne hätte. Er hat in seiner derzeitigen Amtszeit bisher immer nur deutlichere Zinssenkungen gefordert, ohne konkrete Zahlen zu nennen. In einem Interview im Wahlkampf hat er aber einmal den Bereich von 1,5% bis 2% Leitzins als fair bezeichnet.

Nun trifft Donald Trump nicht die Zinsentscheidungen, aber die Amtszeit des bisherigen Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, endet im Mai 2026. Dann darf Trump seinen Nachfolger nominieren, der dann durch den Senat, mit republikanischer Mehrheit, bestätigt werden muss. Wir können sicher sein, dass Trump niemanden auf diesen Posten setzen wird, der nicht seine Ansichten teilt. Und wir können sicher sein, dass Trump das Ziel verfolgt, mindestens zwei Gefolgsleute im Board der Fed zu installieren. Das ist nicht ganz einfach, denn der bisherige Fed-Chef scheidet nur als Vorsitzender aus, als stimmberechtigter Gouverneur dauert seine Amtszeit noch bis zum Dezember 2028. Doch zunächst muss Ende Januar der Gouverneursposten, den derzeit Stephen Miran innehat, neu besetzt werden. Miran, auch ein Anhänger Trumps, hat diesen Posten erst seit vier Monaten, da er als Ersatz für eine zurückgetretene Gouverneurin deren Restamtszeit beendet, eben bis Januar. Es wird interessant sein zu sehen, ob Trump Miran als Gouverneur behalten will oder einen anderen Gefolgsmann beruft.

Im Mai steht dann der echte Wechsel an der Spitze der Fed an. Da der Vorsitzende der Fed immer auch stimmberechtigt ist, aber nicht aus dem Kreis der Fed-Gouverneure kommen muss, kann es hier zu einer kuriosen Situation kommen. Denn der Präsident ist frei in seiner Entscheidung, wen er beruft, sofern der Senat zustimmt. Die Größe des Fed-Gouverneursrates ist aber auf sieben Mitglieder begrenzt. Wenn Trump einen Externen beruft, würde der Gouverneursrat aber aus acht Mitgliedern bestehen, den bisherigen sieben Gouverneuren und dem neuen Vorsitzenden. Wir gehen davon aus, dass Powell der Fed diese Kuriosität ersparen und zum Ende seiner Amtszeit auch als Gouverneur zurücktreten wird. Damit hätte Trump zwei Anhänger in der Spitze der Fed installiert.

Mit diesem Stimmenzuwachs und einem Gefolgsmann als Vorsitzenden hat Trump die Fed noch nicht völlig unter Kontrolle, aber seine Einflussmöglichkeit wird steigen und damit eine stärkere Betonung der Unterstützung des Arbeitsmarktes und weniger der Inflationsbekämpfung. Trump wird nicht alles bekommen, aber vermutlich niedrigere Leitzinsen, als sie heute eingepreist sind.

Dass der Arbeitsmarkt in den USA, trotz aller Behinderung der ausländischen Konkurrenz, dem Druck auf Firmen, in den USA zu investieren, und Liberalisierungsschritten in vielen Marktbereichen nicht überragend läuft, verdeutlicht die nächste Graphik. Diese zeigt die Anzahl der offenen Stellen in der US-Wirtschaft. Über sieben Millionen unbesetzte Stellen sind historisch gesehen ein durchschnittlicher Wert, und die Tendenz ist derzeit immer noch leicht fallend.

Diesen Trend umzukehren wäre eine Grundvoraussetzung, damit Trump und seine Partei erfolgreich die Wahlen im November bestehen können. Denn von der auch sehr bedeutsamen Inflationsentwicklung ist kaum eine Verbesserung zu erwarten, auch wenn wir davon ausgehen, dass Trump den einen oder anderen Zoll lockern wird, um hier etwas Entlastung zu schaffen. Als Ausgleich für die weiter steigenden Preise wird Trump mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf das Instrument der direkten Beihilfe für amerikanische Bürger zurückgreifen. Das Versenden von Schecks mit seiner Unterschrift über einen Betrag von einigen tausend Dollar gehört vermutlich zu seinen liebsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Dies würde den Einzelhandelsumsatz und die Wirtschaftsleistung insgesamt sicher leicht erhöhen.

Neben diesen Maßnahmen, die Trump zumindest indirekt beeinflussen kann, kommt natürlich noch die große Frage, wie es mit der weiteren Entwicklung bei KI und anderen Zukunftstechnologien aussieht? Ein großer Teil des Wachstums der amerikanischen Wirtschaft ging in 2025 nur auf diesen Bereich zurück. Und die Zukunftsaussichten sehen hier immer noch gut aus.

Denn die Umwälzungen, die diese Technologien mit sich bringen, haben gerade erst begonnen. Bisher überwogen hier mehr die Investitionen als die Umsätze. Doch das könnte sich schon bald ändern. Die nächste Graphik zeigt die von Analysten erwartete Umsatzentwicklung mit KI. Diese soll von rund 200 Mrd. im Jahr 2024 auf 1.800 Mrd. im Jahr 2032 ansteigen. Das ist eine jährliche Wachstumsrate von über 30% p.a. und ungefähr die 3-fache Geschwindigkeit, mit der sich der Aufstieg Chinas vollzogen hat.

Die Frage ist, wie glaubhaft solche Erwartungen sind? Wir sind der Meinung, dass zumindest in den ersten Jahren (bis 2030) die Erwartungen nicht übertrieben sind. Denn wir befinden uns jetzt an der Schwelle, wo aus der eigentlichen Technologie vielseitig nutzbare Anwendungen werden. So wie sich aus dem ursprünglichen Internet, das zuerst eine reine Plattform des Informationsaustausches war, später Anwendungen wie E-Commerce, Streaming, Social Media u.a. entwickelt haben. Derzeit sind die bestehenden Anwendungen im KI-Bereich, die wir im täglichen Leben nutzen, noch weitgehend umsonst. Doch das wird nicht so bleiben.

  1. Die Chatbots, die wir kennen, werden nicht immer umsonst verfügbar sein. Das ist vergleichbar mit den Anfängen des Internets, als auch noch alle Zeitungen frei verfügbar waren. Das wird sich mit der Zeit ändern, und nur noch wenige Anfragen im Monat werden umsonst sein.
  2. Es werden individuell trainierte KIs Aufgaben übernehmen, die dann nicht umsonst sind. Die Bereiche sind vielfältig: Forschung, Effizienzsteigerungen in Unternehmen, Kundendatenanalysen etc. Ein Beispiel hierfür ist Palantir Technologies.
  3. Sehr bedeutsam sollten persönliche Agenten oder Avatare werden. Hierbei handelt es sich um personifizierte KI-Anwendungen, die Aufgaben übernehmen. Beispielsweise ein persönlicher Finanz-Avatar, der alle Bankgeschäfte inklusive persönlicher Vermögensverwaltung übernimmt.
  4. Technologische Anwendungen wie autonomes Fahren oder selbstständige Produktionsabläufe. Dies sind eigenständige KI-Entwicklungen, und die vor Kurzem veröffentlichte Bloomberg-Intelligence-Studie „Global Robotaxis 2026 Outlook“ schätzt, dass alleine die Fahrten mit Robotaxis von 11,8 Mio. in 2024 auf 1,5 Bio. im Jahr 2030 ansteigen werden.
  5. Avatare in der Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie.
  6. KI in großen Simulationsmodellen, z.B. in der Klimaforschung und Finanzpolitik.

Mit unserer Meinung, dass wir uns erst am Anfang einer epochalen Entwicklung befinden, stehen wir nicht alleine da. Zumindest die chinesische Führung muss dies ähnlich sehen, denn der kommende Fünfjahresplan der Volksrepublik legt seinen Schwerpunkt klar auf diesen Bereich.

China first!

Ende Oktober hat das Zentralkomitee der chinesischen KP die Grundzüge des nächsten Fünfjahresplanes (2026-2030) beschlossen. Damit dieser in Kraft tritt, muss er noch vom Volkskongress im März beschlossen werden, aber große Änderungen am Entwurf des Zentralkomitees sind nicht zu erwarten. Und dieser Fünfjahresplan bedeutet eine strategische Neuausrichtung der chinesischen Politik. Dies wird deutlich, wenn wir die Kernpunkte dieses neuen Fünfjahresplanes mit den wichtigsten Punkten des vorangegangenen Planes vergleichen. 

Dieser Plan verfolgt das Ziel, dass China im Wettstreit mit den USA klar den ersten Platz in der Welt einnehmen soll. Vor diesem Hintergrund bedeutet technologische Unabhängigkeit nicht nur, dass man an der Entwicklung teilhaben will, sondern hier die Führungsposition anstrebt. Die Bereiche, die gemeint sind, betreffen nach eigenen Aussagen KI, Mikrochips, Quantencomputing, 6G-Technologie, grüne Technologien, Biotechnologie, Satellitentechnik, Elektromobilität, autonomes Fahren und Robotik. Was es bedeutet, wenn China die Führungsrolle in einer Technologie anstrebt, soll die folgende Graphik verdeutlichen. Diese zeigt die in China vorhandenen Produktionskapazitäten im Verhältnis zur globalen Nachfrage nach den jeweiligen Produkten.

Wenn jetzt in so vielen Technologien eine Führungsrolle angestrebt wird, stellt sich die Frage, wie dies finanziert werden soll? Im chinesischen System mit überwiegend staatlich gelenkten Unternehmen geschieht das nicht über die Kapitalmärkte (oder nur zu einem geringen Anteil), sondern über die staatlich gelenkte Kreditvergabe. Diese Vorgehensweise, die schon eine längere Tradition hat, ermöglichte in der Vergangenheit beachtliche Erfolge. Doch diese Vorgehensweise hat auch eine Kehrseite, und die schlägt sich unter anderem in den Geldmengenaggregaten Chinas nieder. Umgerechnet in US-Dollar liegt die chinesische Geldmenge mittlerweile deutlich höher als die zusammengerechneten Geldmengen der USA und der Eurozone.

Wenn man bedenkt, dass jetzt auch die Führerschaft in den wichtigsten Technologien erreicht werden soll und dies auf den bekannten Wegen finanziert wird, kann man sich vorstellen, wie die Linie in der Graphik sich fortsetzt. Und was wäre mit dem hier geschaffenen Kreditvolumen, wenn China nicht die Technologieführerschaft erreichen sollte?

Europa: Wenn wir wollten, wie wir könnten

Die USA und China streben derzeit keine multipolare Weltordnung mehr an, sondern eine monopolare. Lediglich das Zentrum wäre jeweils ein anderes. Mit dem gerade erst veröffentlichten globalen Sicherheitskonzept der Trump-Administration sollte auch der Letzte daran keinen Zweifel mehr haben. Doch was wird aus Europa? Eine absteigende provinzielle Region im Spiel der Großmächte?

So weit ist es noch nicht. In 2025 wird die Wirtschaft der EU-Länder um 1,5% anwachsen. Die der USA um 2,5%, wovon alleine die KI-Investitionen 0,7% ausmachen. Ohne Berücksichtigung der KI ist die Wirtschaft in Europa auch in keiner schlechteren Verfassung als die der USA. Bei KI liegt Europa zurück. Aber es ist nicht so, dass hier nichts existiert, auf dem man aufbauen könnte. Den aktuell in der EU betriebenen sechs KI-Hubs (spezielle Hochleistungsrechenzentren für KI-Entwicklungen) stehen 39 in China und 87 in den USA gegenüber. Doch die EU hat dieses Problem erkannt und zum massiven Ausbau der KI-Infrastruktur aufgerufen. Alleine in Deutschland würden die schon geplanten Projekte die KI-Kapazitäten des Landes bis zum Jahr 2030 vervierfachen. Wir glauben nicht, dass dies schon ausreichen würde, die Lücke zu schließen, und erwarten deshalb sogar noch mehr Investitionen und Investitionsanreize von staatlicher Seite. Dass durchaus die Möglichkeit vorhanden ist, einen wichtigen Platz in der zukünftigen Entwicklung einzunehmen, soll die folgende Graphik verdeutlichen. Sie zeigt die Verteilung der weltweit sich in Kraft befindlichen Patente und die Anzahl der Patente je 1000 Einwohner eines Landes.

Wir haben für diese Darstellung die Basis der bestehenden Patente und nicht der neuen Patentanmeldungen gewählt, da vor allem China, wo es Subventionen schon für die Anmeldung gibt, extrem viele Anmeldungen verzeichnet, die nie zu einem Patent führen. Und wissenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Standards zur Erteilung eines Patents in Europa deutlich höher sind als im Rest der Welt und besonders in China. Reine Softwarepatente gibt es in Europa überhaupt nicht, sie machen in den USA und China aber einen beträchtlichen Anteil aus. Vor diesem Hintergrund ist der patentierte Wissensstand in Europa gar nicht so gering. Ebenso wie die neuen Patentanmeldungen. Dass hier aber noch deutlich mehr gehen könnte, zeigen Japan und Südkorea mit einer außergewöhnlichen Innovationskultur.

Wenn wirklich der Wille besteht, in der Entwicklung der modernen Technologien eine wichtige Rolle zu spielen, dann kann Europa einen Vorteil nutzen: die im Vergleich zu den USA und China noch vergleichsweise geringe Verschuldung. Die folgende Graphik zeigt den Stand der Staatsschulden in Billionen US-Dollar der USA im Vergleich zu der Summe aller EU-Staaten.

Auch die Staatsverschuldung der EU liegt heute mit ca. 82% der Wirtschaftsleistung weit über der alten Zielmarke der Maastricht-Verträge. Im internationalen Vergleich ist dies heute aber eher wenig. Und vor die Wahl gestellt, jetzt lieber strenge Haushaltsdisziplin zu halten und dafür eher am Rand der kommenden Entwicklungen zu stehen oder die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen, werden sich die meisten Entscheidungsträger in Europa eher für die zweite Variante entscheiden.

Aus Sicht der Kapitalmärkte in Europa erwarten wir, dass die staatliche Unterstützung von Zukunftsprojekten noch weiter zunehmen wird. Dazu halten wir es auch für gut möglich, dass die EZB die Zinsen senkt. Die Inflation wird diesen Spielraum kaum eröffnen, aber die von uns erwarteten Zinssenkungen in den USA könnten die EZB mit Blick auf einen zu starken Euro dazu veranlassen, auch die Zinsen zu senken. Und ein Drittes ist zu berücksichtigen: Die geplante Expansion Chinas wird zumindest zu dem Versuch führen, Unternehmen der Spitzentechnologie aus Europa zu übernehmen. Ob dies für Europa längerfristig gut ist, sei dahingestellt, aber einzelne größere Übernahmen können mitunter den ganzen Markt beflügeln.

Was sagen die Antecedo-Modelle?

In unseren bisherigen Beschreibungen der ökonomisch wichtigsten Regionen haben wir ein Bild gezeichnet von einer Welt, die technologisch und gesellschaftlich im Umbruch ist. Solche Umbrüche beinhalten grundsätzlich hohe Gefahren. Besonders im Hinblick auf Handelskriege oder sogar echte militärische Auseinandersetzungen. Solche Möglichkeiten bestehen, doch können wir keine davon aktuell konkret fassen und in unsere Prognosen für das nächste Jahr einfließen lassen. In der Summe werden solch mögliche Entwicklungen berücksichtigt, indem wir z.B. globale Unsicherheitsindikatoren in unsere Modelle einfließen lassen, was dann zu einer höheren Wahrscheinlichkeit schlechter Aktienmarktszenarien führt.

Wir haben bei Antecedo Modelle entwickelt, die verschiedenste Daten und Indikatoren berücksichtigen, um hieraus Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Aktienmarktentwicklungen im kommenden Jahr abzuleiten. Dies haben wir auch für 2026 gemacht. Im Ergebnis unterscheiden unsere Modelle vier Szenarien für die Aktienmärkte: den Crash mit erwarteten Kursverlusten größer -10%, den moderaten Rückgang von 0% bis -10%, den durchschnittlichen Kursanstieg bis zu 20% und die Überraschung mit Kursanstiegen über 20% hinaus. Die folgende Graphik zeigt unsere erwartete Verteilung dieser Szenarien für 2026, als Erinnerung unsere Einschätzung für 2025 aus dem Vorjahr und die historische Verteilung solcher Ereignisse.

Vielleicht überraschend ist, nachdem 2025 kein schlechtes Aktienjahr war, dass unsere Erwartung für ein außerordentlich gutes Aktienjahr weiter ansteigt. Hier reflektieren sich die hohen Gewinnerwartungen und die Chancen auf sinkende Zinsen. Die Risiken aus den beiden negativen Szenarien liegen zusammen ungefähr auf den historischen Niveaus. Aber die Verteilung zwischen den negativen Szenarien sieht anders aus. Denn wenn es in einem solchen Wachstumsszenario wie heute nach unten geht, dann muss auch etwas geschehen sein und dann sollten auch die Kursverluste recht deutlich ausfallen. Das ist auch der Grund, warum wir immer zu Absicherungen raten. Nicht weil wir aktuell sehr große Gefahren sehen, sondern weil die Kursverluste sehr hoch sein können, wenn diese Gefahren doch eintreten.

In der lokalen Erwartung für die Aktienmärkte sehen wir vorne die amerikanischen Technologiebörsen. Dahinter gleichauf die Standardwerte aus den USA und Europa. Auf dem dritten Platz erst, weil die Aktienindizes noch sehr hohe Anteile von Finanzaktien enthalten, China.

Vier Szenarien für die fernere Zukunft

Dieser Jahresausblick ist überraschend positiv ausgefallen für die wahrscheinliche Entwicklung der Aktienmärkte im kommenden Jahr. Der zentrale Punkt ist die Einschätzung, wie der technologische Fortschritt voranschreitet. Unbeachtet davon, welche politischen Risiken abseits davon lauern, kann man die ferneren Entwicklungen der KI-Technologie und der mit ihr verbundenen Aktien an den Börsen grundsätzlich in vier Szenarien zusammenfassen:

  1. Die KI und alles, was aus ihr folgt, ist ein solcher Wachstumstreiber, dass hier eine Dynamik entsteht, die auch alle Kosten mehr als rechtfertigt, ebenso die in der Dynamik immer höheren Aktienkurse.
  2. Die technologische Entwicklung geht zunächst mit ungeminderter Dynamik weiter. In den kommenden Jahren werden mehr und mehr KI-Unternehmen entstehen, mit der Hoffnung auf ungebremste Gewinne. Eine Abflachung der Umsatzentwicklung oder eine extreme Überbewertung wird dann zu einer Bereinigung des Marktes führen. Dies wäre vergleichbar mit der Dotcom-Krise Anfang des Jahrhunderts. Die verbleibenden Unternehmen würden danach den Wachstumspfad abgeschwächt wieder aufnehmen.
  3. Das Gewinnwachstum der KI-Unternehmen wird überschätzt. Es ist leicht höher als das von anderen Aktien, aber unter den Erwartungen des Marktes. Damit würden Technologieaktien noch weiter steigen können, aber langsamer als andere Bereiche, bis die Überbewertung abgebaut ist.
  4. Die Erwartungen an die Gewinnentwicklung mit KI sind grundsätzlich zu hoch. Die Technologie wird voranschreiten, aber es werden sich nie die erwarteten Gewinne einstellen. Dies müssten die Börsen irgendwann erkennen, und es sollte zu einer sehr heftigen Kurskorrektur führen mit Konkursen von Unternehmen, die stark kreditfinanziert sind.

Welche dieser vier Möglichkeiten der wahren Entwicklung am ehesten entspricht, ist derzeit nicht zu entscheiden. Das muss die Zukunft zeigen. Die Szenarien sind sehr unterschiedlich und könnten sogar mit der Zeit ineinander übergehen. Mit Blick auf das nächste Jahr ist es aber nur das vierte Szenario, das weiter steigenden Kursen entgegensteht.

Die wichtigste Frage zum Schluss

Neben allen politischen Entwicklungen und technologischen Fortschritten ist 2026 noch ein weiteres Ereignis von großer Bedeutung: die Fußballweltmeisterschaft in den USA. Wir haben auch hier die vorhandenen Daten in ein Scoringmodell gesteckt. Das Ergebnis: Weltmeister wird Spanien. Wir hoffen inständig, dass sich unsere Prognose hier irrt und werden dem DFB-Team (wie natürlich jeder seinem Team) die Daumen drücken. In der Hoffnung, dass 2026 für Sie viele unerwartete positive Überraschungen bereit hält, wünschen wir ein gutes Jahr 2026.

Kay-Peter Tönnes

Bad Homburg v.d.H., den 09.12.2025

Wer Geld anlegt, muss immer zwischen Risiko und Ertrag abwägen. Klassische Anlagen folgen dabei oft einem „symmetrischen“ Prinzip: hohes Risiko kann zu hohen Gewinnen führen – oder zu ebenso hohen Verlusten.

Das asymmetrische Risiko-Ertragsprofil verfolgt einen anderen Ansatz. Es geht darum, Chancen nach oben offenzuhalten, während Verluste nach unten möglichst begrenzt werden.

Was bedeutet das konkret?

  • Mehr Gewinnpotenzial als Verlustgefahr: Investments werden so ausgewählt, dass das mögliche Plus größer ist als das mögliche Minus.
  • Begrenzung der Verluste: Absicherungen, Diversifikation oder feste Regeln helfen, Rückschläge einzudämmen.
  • Langfristige Stabilität: Statt kurzfristiger Spekulation geht es um stetiges Wachstum bei kontrolliertem Risiko.

Warum ist das sinnvoll?

Große Verluste zu vermeiden ist entscheidend, denn schon ein Rückgang von 50 % erfordert 100 % Gewinn, um das Ausgangsniveau wieder zu erreichen. Ein asymmetrischer Ansatz hilft, solche Situationen abzufedern. Gleichzeitig eröffnet er Anlegern die Chance, an positiven Marktphasen teilzuhaben, ohne in schwierigen Zeiten ungeschützt dazustehen.

So entsteht ein ausgewogeneres Verhältnis von Risiko und Ertrag: Verluste bleiben überschaubar, während das Kapital die Möglichkeit hat, über die Zeit stetig zu wachsen. Genau hier setzt wealthframe an – mit einem systematischen Ansatz, der Vermögen schützt und zugleich die Renditechancen bestmöglich nutzt.

Unser Musterchart verdeutlicht die Funktionsweise von wealthframe und sorgt für kalkulierbare Renditen und Risiken.

Gastbeitrag der Netfonds AG von Folker Hellmeyer

US Zoll- und Geopolitik weiter globale Belastungsfaktoren

Das 3. Quartal 2025 war gekennzeichnet von fortgesetzten Verwerfungen. Allen voran belastet die US-Zollpolitik, die im September global noch einmal verschärft wurde (u.a. Pharmaprodukte). Es kam zu Vereinbarungen zwischen den USA und der EU, die die Position der USA markant verbesserten und die EU ebenso wie Japan und Südkorea zu massiven Energiekäufen und Investitionen in den USA verpflichten.

Die US-Politik, mit Zoll- und Sanktionspolitik Willfährigkeit dritter Länder zu erzwingen (u.a. Indien), setzt sich daneben fort und teilt die Welt weiter zwischen dem westlichen Block und dem Globalen Süden. Die rückläufige Homogenität in der Weltwirtschaft verringert Potentialwachstumskräfte.

Die Geopolitik blieb und bleibt in der Gesamtheit ein Belastungsfaktor für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Zum Ende des Quartals kamen Hoffnungswerte auf eine Befriedung des Gaza-Konflikts durch den US-Friedensplan auf. Dagegen nimmt der Konflikt des Westens mit dem Iran ob des Atomprogramms zu. Der Ukraine-Konflikt setzte sich im 3. Quartal fort. Es ergab sich ein verstärkter Schulterschluss zwischen den USA und der EU gegenüber Russland. Der Konflikt eskalierte verbal und waffentechnisch (voraussichtliche Tomahawk Lieferungen durch USA) im Quartalsverlauf. Eine geographische Ausweitung des Konflikts steht im Raum.

Als Konsequenz dieser Gemengelage konnte die nicht korrelierte Anlageklasse der Edelmetalle, allen voran Gold (Phalanx von historischen Höchstkursen), aber auch Silber (höchste Notierungen seit 2011) und Bitcoin an Boden gewinnen.

Trotz dieser herausfordernden Rahmenbedingungen erhöhte der Internationale Währungsfonds (IWF) die globale Wachstumsprognose im World Economic Outlook per Juli 2025 von bisher 2,8 % auf 3,0 % für das laufende Jahr. Für die Industrieländer wurde die Prognose per 2025 um 0,1 % auf 1,5 % hochgesetzt, für den Globalen Süden lag die Revision bei +0,4 % auf 4,1 %.

Innerhalb der Industrienationen wurde die BIP-Prognose für die USA um 0,1 % auf jetzt 1,9 % erhöht. Für die Eurozone ging es um 0,2 % auf 1,0 % nach oben. Die deutsche BIP-Prognose erfuhr eine Anpassung um 0,1 % auf jetzt 0,1 % Wachstum per 2025. Unter den bedeutenden Ländern nimmt Deutschland bezüglich des Wachstums den letzten Rang ein.

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich in der westlichen Welt zum Ende des 3. Quartals 2025 ein positives Gesamtbild. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) bezüglich der westlichen Industrienationen oder Industrieregionen mit 53,6 Zählern vor der Eurozone mit 51,2 Zählern, Japan mit 51,1 Punkten und Großbritannien mit 51,0 Zählern. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen der Welt rangiert Indien weiter auf dem 1. Rang mit 61,9 Punkten. Chinas Composite Index stellte sich auf 50,6 Zähler.

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 3. Quartal 2025 weltweit ein heterogenes Bild. Im Quartalsvergleich sank der Ölpreis (Brent) unwesentlich von 66,59 USD auf 66,38 USD (Stichtag für alle Rohstoffe 29. September), nachdem zuvor am 30. Juli 2025 Höchstkurse bei 72,69 USD markiert wurden. Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Rückgang um gut 3 % im Quartalsvergleich, in den USA ein Rückgang um rund 16 %.

Bei Industriemetallen dominierten steigende Preise. Kupferpreise legten im Quartalsvergleich auf EUR-Basis um knapp 5,9 % zu. Bei Nickel lag das Plus auf EUR-Basis bei rund 1,5 %. Bei Aluminium kam es auf EUR-Basis zu einem Anstieg in Höhe von circa 4,3 %.

In der Eurozone ergab sich bei den Verbraucherpreisen in der Phase von Juni bis August mit unverändert 2,0 % keine Veränderung. In den USA kam es in diesem Zeitraum zu einem Anstieg in Höhe von 2,7 % auf 2,9 % und in Großbritannien zu einer Zunahme von 3,6 % auf 3,8 %. In Japan gaben die Verbraucherpreise in diesem Zeitfenster von 3,3 % auf 2,7 % nach. Im 3. Quartal 2025 stellte sich bei den Verbraucherpreisen in China im Verlauf ausgehend von 0,1 % im Juni ein Verfall auf -0,4 % per August 2025 ein.

In Indien, das grundsätzlich von höheren Inflationsraten geprägt war, sank der Anstieg der Verbraucherpreise seit Oktober 2024 von 6,21 % auf 2,07 % (August 2025). Das 3. Quartal 2025 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von einer Zinssenkung in den USA und dem UK um jeweils um 0,25 % auf 4,125 %, respektive 4,00 %.  Die EZB pausierte im 3. Quartal in ihrem Zinssenkungszyklus (Anlagezins 2,00 %). Japans Notenbank verweigerte Zinserhöhungen (aktuell 0,50 %). In China wurden die Zinssätze für die „Loan Prime Rates“ trotz des Deflationsbilds unverändert belassen (1-jährige Kredite 3,00 %, 5-jährige Kredite 3,50 %).

Tabelle 1: Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise

LänderAktuell verfügbarer WertMonat Juni 2025
USA:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)
2,9 % (August)
2,6 % (August)
2,7 %
2,4 %
Eurozone:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)
2,0 % (August)
0,2 % (Juli)
2,0 %
0,6 %
Deutschland:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)
2,4 % (September vorläufig)
-2,2 % (August)
2,0 %
-1,3 %
UK:
Verbraucherpreise (J)
3,8 % (August)3,6 %
China:
Verbraucherpreise (J)
Erzeugerpreise (J)
-0,4 % (August)
-2,9 % (August)
0,1 %
-3,6 %

Fazit: Die Weltwirtschaft verliert wegen der geopolitischen Krisenherde und der disruptivem US-Zoll-als auch Standortpolitik, aber auch wegen mangelnder Reformbereitschaft in Frankreich und Deutschland Potentialwachstumskräfte, hält aber aktuell ein Wachstumstempo real um die 3 %-Marke.

Die Konjunkturverläufe zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens blieben und bleiben pro Globalem Süden ausgerichtet. Die Anpassungen der IWF-Prognosen im Juli waren eindeutig.

Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, läuft der „Westen“, allen voran Europa, das Risiko durch Abgrenzungspolitik und zusätzlich durch die Akzeptanz des „US-Zolldiktats“ und Verweigerung überfälliger Reformen unterproportional zu wachsen. Die erwarteten Inflationsimpulse durch die US-Zollpolitik sind bisher nicht eingetreten. Das grundsätzlich moderate Inflationsbild erlaubte der US-Notenbank den Beginn des Zinssenkungszyklus mit unterstützenden Folgen für die US-Wirtschaft und die US-Finanzmärkte.

Die Perspektive: Geopolitische Risiken höher, aber Wirtschaft zuversichtlich

Die von den USA ausgehenden geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen werden sich grundsätzlich auf die globale Wirtschaftsaktivität weiter belastend auswirken. Ein nachhaltiger Lastwechsel in Richtung verstärkten globalen Wachstums ist vor dem aktuell verfügbaren Nachrichten- und Datenhintergrund unwahrscheinlich, auch wenn sich die globale Wirtschaft resilient, erkennbar an harten Daten, und zuversichtlich, erkennbar an Sentiment-Indikatoren, zeigt.

Weitere von den USA ausgehende Turbulenzen sind im Rahmen der gewollten Disruption zur Neugestaltung des Welt-Organigramms zu Gunsten von US-Interessen latent möglich. Die Neuausrichtung der USA in der Ukraine-Krise, jetzt enger an der Seite der EU und der Ukraine, impliziert darüber hinaus eine militärische Eskalation mit dem Risiko einer geografischen Ausweitung des Konflikts. Die Möglichkeit, dass der Konflikt eine globale Dimension annimmt, steigt mit entsprechend belastenden Folgen für Real- und Finanzwirtschaft. Der Anstieg des Goldpreises mit neuen historischen Höchstmarken im September diskontierte dieses Risikoszenario.

Eine aktuell möglich erscheinende Friedenslösung im Gaza-Konflikt kann im 4. Quartal 2025 ein Aufheller der Stimmung sein.

Im 4. Quartal 2025 werden das derzeitig milde globale Inflationsszenario und das daraus resultierende Potential für Zinssenkungen entlastend wirken, allen voran in den USA, aber auch in Fernost, wo es partiell zu Deflationsszenarien (u.a. China, Thailand) kommt.

Die US-Politik unter Präsident Trump zeigte und zeigt in der US-Wirtschaft Wirkung. Durch die Reformen, die das Leistungspotential der Ökonomie erhöhen, wirken sich die US-Disruptionen zu Gunsten der US-Wirtschaft aus. Allein die zugesagten Investitionen der EU, Japans und Südkoreas belaufen sich auf mehr als 1,5 Billionen USD. Sie werden ihre Wirkung, sofern es dazu kommt (Rechts- und Potentialfragen), entfalten. Die US-Wirtschaft ist und bleibt der Profiteur der „US-Wirtschaftskriege“.

Das US-Wachstum per 2. Quartal 2025 wurde unerwartet im Verlauf von 3,0 % (Erstschätzung) final auf 3,8 % (annualisiert) revidiert. Die Industrieproduktion stieg die letzten drei Monate im Jahresvergleich um die Marke von 1 %. Die Einzelhandelsumsätze verzeichneten in den letzten drei Monaten im Jahresvergleich Zuwachsraten von 4,09 % – 5,00 %. Die lange Zeit in Rezession befindliche US-Immobilienwirtschaft zeigt mit der Zinssenkung erste Anzeichen einer Erholung. So lieferten der Index anhängiger Hauskäufe (Top seit 05/2025), der MBA Hypothekenmarktindex (Top seit 04/2022) und der Absatz neuer Wohnimmobilien (Top seit 01/2022) allesamt positive Entwicklungen. Trumps massive Erfolge, Investitionen in die USA zu leiten (mehr als 5 Billionen USD), spielen auf kurze Sicht eine untergeordnete Rolle, sie haben mittel- und langfristig positiven Charakter. Unterschwellig unterstützend wirken in den USA die Themen Energieversorgungssicherheit und insbesondere im Vergleich zu Europa günstige Energiepreise. Die USA werden auch im 3. Quartal 2025 der „Outperformer“ unter den westlichen Nationen sein. Verwerfungen durch einen aktuell möglichen Shutdown wären temporärer Natur, wie vergangene Shutdowns belegen, und würden im Zeitverlauf aufgeholt.

Die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich, waren mangels umfassender Reformpolitik im 3. Quartal 2025 Belastungsfaktoren in der Eurozone. In Frankreich spitzt sich die Lage zu. Das Thema Unregierbarkeit steht im Raum und damit eine Fortsetzung der verfehlten Politikansätze. Die deutsche Regierung bewegt sich zwischen Wortbrüchen und Reformankündigungen, ohne bisher belastbare Inhalte zu produzieren, und hat laut Meinungsumfragen das Vertrauen der Bevölkerung, aber auch großer Teile der Wirtschaft verloren. Die ehemaligen Problemländer, allen voran Spanien und Griechenland, sind dank der Reformen die Stabilisatoren der Eurozone. Ihre Kraft und ihr Einfluss reichen jedoch nicht aus, um das Blatt der Eurozone zum Guten zu wenden. Das Risiko, dass Deutschland und Frankreich die EU und Eurozone im relativen Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen im 4. Quartal 2025 weiter nach unten ziehen, nimmt zu. Fehlende Konkurrenzfähigkeit der beiden Kernländer bei den Rahmendaten wird durch die US-Reform- und Zollpolitik, jüngst aber auch durch das UK durch Hinwendung zur Atomkraft und starke US-Investitionen in Zukunftsindustrien, weiter zunehmen. Kontinentaleuropa (ex Schweiz) wird Verlierer innerhalb des Westens bleiben. Zudem ist Kontinentaleuropa bei Ausweitung des Ukraine-Konflikts potentielles „Theatre of war“.

Indien liefert derzeit in Asien die stärksten Datensätze. Inwieweit das aggressive US-Zollregime gegen Indien diese Performance stören kann, ist offen. Frühindikatoren reagierten bisher nicht oder kaum.

Die wirtschaftsfreundliche Grundausrichtung der Regierung Chinas stabilisiert den regionalen Ausblick im Hinblick auf die exogenen Herausforderungen. Weitere Zinssenkungen zur stärkeren Stimulanz sind im Hinblick auf den hohen positiven Realzins jederzeit möglich. Die Daten Chinas sollten vor diesem Hintergrund weiter von Stabilität mit positivem Grundton geprägt sein.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer zunehmenden Dynamik der Weltkonjunktur. Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per August 2025 mit 52,9 Punkten den höchsten Indexwert seit 14 Monaten, solides Wachstum implizierend. Der Dienstleistungssektor trug dazu wesentlich bei.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) signalisiert in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die USA mit 52,0 Punkten (S&P Index) Expansion. Dagegen implizieren die PMIs für die Eurozone mit 49,5 Punkten (Deutschland 48,5), für Japan mit 48,4 Zählern und das UK mit 46,2 Zählern Kontraktion.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor belegen für  Indien mit 57,5 Zählern starke Expansion (Industrieproduktion +4,0 %), dagegen für China mit 49,8 Punkten (Industrieproduktion +5,2 %), für Russland  mit 48,7 Zählern (Industrieproduktion +0,5 %)  und für Brasilien mit 47,7 Punkten (Industrieproduktion +0,2 %) Kontraktion.

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im 3. Quartal 2025 laut Einkaufsmanagerindizes in einer Gesamtbetrachtung im erhöhten Wachstumsmodus und sorgte für die gute Performance der Einkaufsmanagerindices bezüglich der Gesamtwirtschaft (Composite Indices). 

Tabelle 2: Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors im Vergleich

LandJuni 2025 Dienstleistungen finale WerteSeptember 2025 Dienstleistungen vorläufige Werte oder August final
Eurozone50,551,4
Deutschland49,752,5
UK52,854,2
USA52,953,9
Japan51,753,0
Indien60,461,6
China (NBS Index)
China (RatingDog Index)
50,1
50,6
50,0
52,9
Russland49,250,0
Brasilien49,349,3

Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60%-70% der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 3. Quartal 2025 der entscheidende Katalysator des Wachstums. Das wird sich im 4. Quartal 2025 fortsetzen.

Die vollzogenen Zinssenkungen als auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität grundsätzlich Unterstützung. Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten am Geldmarkt (bis zu 12 Monaten) ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen.

Die im 3. Quartal 2025 verfügte Leitzinssenkung seitens der Federal Reserve (0,25 %) hatte leichte Traktion am Rentenmarkt, dagegen verpuffte die Leitzinssenkung der Bank of England (0,25%). Damit stand der Entlastung am Geldmarkt, die wichtig für die Finanzierung des Umlaufvermögens ist, eine überschaubare Entlastung am US-Kapitalmarkt und keine Entlastung am britischen Rentenmarkt gegenüber (Investitionen).

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stieg im Quartalsvergleich von 2,60 % auf aktuell 2,72 % und die 10-jährige britische Staatsanleihe von 4,48 % auf 4,70 %. Anders war das in den USA. Dort kam es im 3. Quartal 2025 zu einem Rückgang von 4,21 % auf 4,15 %.

Der Industrierohstoffsektor hatte auf die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte keine belastenden Auswirkungen. Ölpreise waren wenig verändert, Gaspreise rückläufig und Industriemetallpreise leicht ansteigend.

Dagegen ergaben sich im Sektor Agrarrohstoffe bei Weizen (+21,9 %), Kaffee (+21,3 %), Orangensaft (+8,8 %) und Zucker (+3,5 %) Preisanstiege. Kakao (-25,2 %) war dagegen deutlich günstiger. Die maßgeblichen Inflationstreiber waren im 3. Quartal 2025 die Lebensmittelpreise.

Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft hängt an der internationalen Politik (Zoll- und Geopolitik), aber auch an den Notenbanken bezüglich der Zinspolitik. Entspannung bei diesen Themen eröffnet der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten positives Potential.

Die Spreizung bezüglich der potentiellen Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen und den Schwellenländern setzt sich fort.

Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen. Frankreich ist gefordert, erscheint aber politisch gelähmt. Die Vorzeichen für die Eurozone und die EU sind kritisch.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft

An den Finanzmärkten ergaben sich im Sommerquartal 2025 teilweise starke Neubewertungen.

Die stabile bis leicht freundliche globale Konjunkturlage war neben den Zinssenkungen der Federal Reserve und der Bank of England wesentlich verantwortlich für die überwiegend freundliche Performance der Aktienmärkte, insbesondere in den USA und in Fernost ex Indien. Die geowirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen und/oder Eskalationen stellten im 3. Quartal 2025 nur kurzfristige Belastungen für die Aktienmärkte dar.

Am Rentenmarkt waren die Reaktionen ob des Risikoclusters nachhaltiger. Hier ergaben sich ex USA überschaubare Renditeanstiege. Bezüglich der prekären politischen als auch haushaltstechnischen Lage Frankreichs, aber auch des UK erschienen die Renditestände trotz des überschaubaren Renditeanstiegs in Europa zunächst widerstandsfähig zu sein. Bemerkenswert waren die Bewertungen der nicht korrelierten Anlageklassen Gold, Silber und Bitcoin. Sie legten markant zu. Erkennbar ist, dass Sachwerte oder nicht korrelierte Anlagen (Aktien, Gold, Silber, Bitcoin) im 3. Quartal 2025 gefragt waren. Versicherungen waren „en vogue“.

Aktienmärkte: Aktienmärkte legten überwiegend zu

Das Sommerquartal war an den Aktienmärkten weit überwiegend von einer positiven Grundtendenz geprägt. Der MSCI-World Index konnte im Quartalsvergleich um 6,96 % zulegen.

Europas Märkte zogen den MSCI-Index nach unten. Der DAX verlor 0,12 % und der EuroStoxx 50 legte mit 4,40 % im Vergleich zum MSCI World unterproportional zu.

US-Märkte performten oberhalb des Anstiegs des MSCI World Index um die 8 % oszillierend. Treiber des Anstiegs waren die Märkte in Fernost ex Indien, insbesondere der Aktienmarkt Chinas (+17,9 %), aber auch der Hangseng Index (+11.56 %) und der Nikkei Index (+10,98 %). Indiens Markt ist weiter in einem Korrekturmodus (-4,00 %).

Tabelle 3: Vergleich der Aktienmärkte auf Quartalssicht

Index30.06.202530.09.2025Veränderung
MSCI World4.026,444.306,70+6,96 %
DAX (Xetra)23.909.,6123.880,72-0,12 %
EuroStoxx 505.309,135.542,99+4,40 %
S&P 5006.204,956.686,36+7,76 %
US Tech 10022.676,0124.679,77+8,82 %
Nikkei Index40.487,3944.932,63+10,98 %
CSI Index3.936,084.640,69+17,90 %
HangSeng Index24.072,2826.855,56+11,56 %
Sensex Index83.606,4680.267,62-4,00 %

Im 3. Quartal 2025 wirkten unterschiedliche Katalysatoren auf die Aktienmärkte. Grundsätzlich unterstützte eine Hinwendung der Marktakteure zu Sachwerten, zu denen Aktien gehören. Die stabile bis freundliche Konjunkturlage lieferte keinen Gegenwind. Ebenso generierten Unternehmensdaten keine nachhaltigen negativen Überraschungen. Befürchtungen starker Inflationsimpulse durch die US-Zollpolitik bestätigten sich im Quartalsverlauf zunächst nicht. Der Beginn des Zinssenkungszyklus in den USA wirkte insbesondere auf US-Märkte unterstützend. So markierten der S&P 500 und der US Tech 100 im letzten Drittel des Septembers 2025 neue historische Höchstmarken. Die Entscheidung der US-Regierung, sich an Unternehmen zu beteiligen, wirkte sich unterstützend auf individuelle Werte und auf den Gesamtmarkt aus (u.a. Intel). Die US-Zoll- und Sanktionspolitik ist bisher erfolgreich. Die USA setzten sich gegenüber der EU, Japan und Südkorea mit einem „Diktat“ durch. Die Bedingungen für US-Exporte haben sich drastisch verbessert, während die Exportchancen der betroffenen Länder markant reduziert sind. Die Zusagen massiver Energiekäufe in den USA und Investitionen der drei genannten Länder in den USA implizieren darüber hinaus für die gesamte US-Wirtschaft perspektivisch einen höheren Potenzialwachstumspfad. Die Revisionen des US BIP im 2.Quartal 2025 von 3,0 % auf 3,8 % belegen die Stärke der US-Wirtschaft gegenüber anderen Industrienationen. Laut GDP Now der Federal Reserve Atlanta liegt der aktuelle Prognosewert für das 3. Quartal 2025 bei 3,9 %.

Die unterproportionale Performance der europäischen Aktienmärkte erklärt sich über die verschlechterten Terms of Trade in Kontinentaleuropa im internationalen Vergleich. Dazu gehört auch eine nachteilige Aufstellung im Energiesektor bezüglich der Energiepreise und der nachhaltigen Versorgungssicherheit. Die Stärke der Reformländer kann nicht die Schwäche der Kernländer ausgleichen. Ausbleibende Reformen und politische Unsicherheiten in Frankreich und Deutschland reduzierten die Attraktivität der hiesigen Aktienmärkte. Zudem belastet das Risiko, dass bei fortgesetzter Eskalation im Ukrainekrieg Kontinentaleuropa zum „Theatre of War“ mutieren kann.

Die Aktienmärkte in Fernost waren ex Indien die erfolgreichsten Märkte. Die Bereitschaft der Marktteilnehmer, sich in China und Hongkong stärker zu engagieren, korreliert mit der Erkenntnis, dass China sich bisher relativ erfolgreich gegen das US-Zolldiktat wehren konnte und die Wirtschaft von den US-Zöllen und US-Sanktionen nur überschaubar betroffen war. Der Nikkei-Index profitierte zuletzt von einer entspannteren Inflationssituation in Japan und stabiler Performance der Wirtschaft. Indiens Aktienmarkt war der Verlierer. Die US-Zölle und die US-Drohkulisse gegen Indien wegen der etablierten Geschäftsbeziehung zu Russland wirken belastend.

Für das Herbstquartal liegt der Fokus der Märkte auf Geopolitik, auf Entwicklungen in der US-Zoll- und Sanktionspolitik, Unternehmensdaten als auch der US-Zinspolitik.

Rentenmärkte: US-Märkte genießen mehr Vertrauen

Die Rentenmärkte der USA und Europas zeigten sich im Verlauf des 3. Quartals 2025 in unterschiedlicher Verfassung. Während in den USA im Quartalsvergleich ein zarter Renditerückgang verzeichnet wurde, kam es in Europa, Japan und China zu leichten Renditeanstiegen.

In den USA bildeten sich die Renditen seit Mitte Juli ausgehend von 4,50 % zurück. Dagegen ergab sich in Europa auf den erhöhten Niveaus eine Seitwärtsbewegung oder sogar Renditeanstiege in diesem Zeitraum (Frankreich). Diese korreliert mit den Problemen Frankreichs, aber auch mit dem Reformmangel der Kernländer. Der hohe positive Realzins (siehe Grafik) von 2,74 % ist Ausdruck der französischen Krisenlage.

Ergo genießen die US-Märkte höheres Vertrauen an den internationalen Kapitalmärkten. Unterstützend wirkte die Einleitung des US-Zinssenkungszyklus. Die Zinssenkung der Bank of England hatte ähnlich wie zuletzt bei den EZB-Zinssenkungen keine entlastende Wirkung auf die Kapitalmarktrenditen.

Mit den verbesserten Rahmendaten in den USA und den sich verschlechternden Rahmendaten für Europa sollte sich das Vertrauen in die US-Kapitalmärkte auch hinsichtlich des im Vergleich attraktiven US-Realzinses fortsetzen.

Tabelle 4: Vergleich der Rendite-Entwicklungen an den Rentenmärkten

Rendite 30.06.2025Rendite 30.09.2025Verbraucherpreise (CPI)Realzins (Rendite-CPI)
10 jährige US-Staatsanleihen4,21 %4,15 %+2,9 % (Mai)+1,25 %
10 jährige Bundesanleihen2,60 %2,72 %+2,4 % (Juni)+0,32 %
10 jährige Staatsanleihen Frankreich3,29 %3,54 %+0,8 %+2,74 %
10 jährige britische Gilts4,48 %4,70 %+3,8 % (Mai)+0,90 %
10 jährige Staatsanleihen Japan1,43 %1,65 %+2,7 % (Mai)-1,05 %
Devisenmärkte: Eurostärke bemerkenswert, Gold und Silber stehlen die Show!

Der Euro konnte im 3. Quartal 2025 weitgehend die vorherige Stärke, insbesondere gegenüber dem USD und CHF, verteidigen und sogar gegenüber dem JPY und GBP leicht ausbauen. Hinsichtlich der unterproportionalen Performance der europäischen Aktien- und Rentenmärkte gegenüber den USA als auch der Tatsache, dass Produktionskapazitäten aus der Eurozone in die USA verlagert werden, stellt sich die Frage, welche Kapitalströme zu dieser Euro-Performance führen. Das gilt umso mehr, als dass sich die geowirtschaftlichen Bedingungen durch die US-Zollpolitik für die Eurozone markant verschlechterten und die Leistungsertüchtigung der USA bezüglich der Wachstumsdaten unerwartet und bemerkenswert war und ist.

Die Resilienz des Euros ist im Vergleich zu Gold, Silber und Bitcoin unwesentlich. Der Zerfall des globalen Organigramms und die US-Abkehr vom rechtsbasierten System erhöhte markant die Attraktivität nicht korrelierter Anlageklassen, allen voran von Gold („Währung ohne Fehl und Tadel“) als auch des Silbers („das Gold des kleinen Mannes“).

Tabelle 5: Devisenkursentwicklungen

30.06.202530.09.2025Veränderung
EUR-USD1,17861,1736-0,42 %
EUR-JPY169,65173,51+2,28 %
EUR-CHF0,93430,9338-0,05 %
EUR-GBP0,85780,8728+1,75 %
Bitcoin/USD107.171,00114.192,00+6,55 %
Gold/USD3.302,293.858,41+16,84 %

Fazit: Die Stärke und Resilienz des Euros stach im 3. Quartal 2025 hervor und verdient sich den Begriff „bemerkenswert“. Belastende Daten und Fakten perlten ohne Wirkung ab. Die Performance von Gold und Silber als auch Bitcoin belegten die Nachfrage nach nicht korrelierten Anlagen mit Versicherungscharakter.    

Folker Hellmeyer

Chefvolkswirt der Netfonds AG

                                                               

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt Netfonds AG

US Zoll- und Geopolitik sorgen nur temporär für Verwerfungen an den Märkten, die Weltwirtschaft verliert an Dynamik

Das 2. Quartal 2025 war gekennzeichnet von Verwerfungen durch die US-Zollpolitik und Geopolitik, allen voran dem fortgesetzten Gaza-Konflikt und den Angriffen seitens Israels und der USA auf den Iran und der zunächst temporären Befriedung dieses Iran-Israel-USA-Konflikts. Der Ukraine-Konflikt setzte sich im 2. Quartal fort, ohne dass ein kurzfristiges Ende des Konflikts erkennbar ist. Das Thema China versus Taiwan stand kaum im Fokus.

Die US-Zollpolitik war und ist bezüglich des Themas Wirtschaft einer der entscheidenden Belastungsfaktoren. Zölle sind administrierte Preiserhöhungen. Sie belasten grundsätzlich die Wirtschaftssubjekte und das Potenzialwachstum. Die USA schlossen im 2. Quartal erfolgreich ein Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich. Mit China wurde der Handelskonflikt entschärft. Die Verhandlungen mit der EU laufen und sollen laut aktuellen Meldungen zum Quartalsende eine positive Grundtendenz aufweisen. Dagegen eskalierten die Verhandlungen zum Quartalsende zwischen den USA und Kanada. Die USA brachen die Handelsgespräche ab. Kanada knickte daraufhin bei der Digitalsteuer ein, sodass Gespräche fortgesetzt werden können. Das Thema der US-Zollpolitik bleibt trotz teilweiser Lösungen ein latenter Belastungsfaktor sowohl für die realwirtschaftliche Entwicklung als auch für die Finanzmärkte.

In der Folge dieser Rahmenbedingungen verkürzte der Internationale Währungsfonds (IWF) die globale Wachstumsprognose im World Economic Outlook per April 2025 deutlich von bisher 3,3 % auf 2,8 % für das laufende Jahr. Für die Industrieländer und den Globalen Süden lagen die negativen Anpassungen jeweils bei 0,5 %. Innerhalb der Industrienationen wurde die BIP-Prognose für die USA markant um 0,9 % auf jetzt 1,8 % gesenkt. Dagegen lag die Revision der BIP-Daten der Eurozone bei „nur“ -0,2 % auf jetzt 0,8 %. Die deutsche BIP-Prognose wurde um 0,3 % auf 0,0 % herabgesetzt. Unter den bedeutenden Ländern schneidet laut aktuellen Prognosen des IWF nur Mexiko mit -0,3 % Kontraktion des BIP schlechter ab.

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich in der westlichen Welt zum Ende des 2. Quartals 2025 ein positives Gesamtbild. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) bezüglich der westlichen Industrienationen oder Industrieregionen mit 52,8 Zählern vor Japan mit 51,4 Punkten, Großbritannien mit 50,7 Punkten und der Eurozone mit 50,2 Zählern. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen der Welt rangiert Indien weiter auf dem 1. Rang mit 61,0 Punkten. Chinas Composite Index stellte sich auf 50,7 Zähler.

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 2. Quartal 2025 überwiegend leichte Entspannungssignale mit Ausnahme des UK. Im Quartalsvergleich sank der Ölpreis (Brent) von 74,67 USD um rund 11 % auf 66,41 USD (Stichtag für alle Rohstoffe 27. Juni), nachdem zuvor am 22. Juni 2025 Höchstkurse bei 85,76 USD (Kontext Angriff auf Iran) markiert wurden. Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Rückgang um gut 19 % im Quartalsvergleich, in den USA ein Einbruch um rund 26 %. Bei Industriemetallen dominierten fallende Preise. Kupferpreise gaben im Quartalsvergleich auf EUR-Basis um gut 3,7 % nach. Bei Nickel lag das Minus auf EUR-Basis bei rund 11 %. Bei Aluminium kam es auf EUR-Basis zu einem Rückgang in Höhe von rund 4,2 %.

In der Eurozone ergab sich als Konsequenz ein Rückgang der Verbraucherpreise in der Phase von März 2025 bis Mai von 2,2 % auf 1,9 %. In den USA verharrte der Anstieg im Jahresvergleich bei 2,4 %. Großbritannien verzeichnete dagegen von März 2025 bis Mai 2025 einen signifikanten Anstieg von 2,6 % auf 3,4 %. In Japan nahmen die Verbraucherpreise in diesem Zeitfenster von 3,6 % auf 3,5 % ab. Im Verlauf des 2. Quartals 2025 ergab sich in China ein Deflationsszenario mit einem Rückgang der Verbraucherpreise um 0,1 % und einem Rückgang der Erzeugerpreise um 3,3 %.

Das 2. Quartal 2025 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von zwei Zinssenkungen in der Eurozone um jeweils 0,25 % auf aktuell 2,00 % (Anlagezins). Die US-Notenbank verzichtete auf weitere Zinsschritte und nahm eine abwartende Haltung ein (Fed Funds Satz 4,375 %). Im UK kam es zu einer Senkung um 0,25 % auf jetzt 4,25 %. Japans Notenbank verweigerte weitere Zinserhöhungen (aktuell 0,50 %). In China wurden die Zinssätze für die „Loan Prime Rates“ wegen der Deflationslage leicht um jeweils 0,10 % reduziert (1-jährige Kredite jetzt 3,00 %, 5-jährige Kredite aktuell 3,50 %). 

LänderAktuell verfügbarer Wert Monat März 2025
USA: Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,4 % (Mai) 2,6 % (Mai)  2,4 % 2,7 %
Eurozone: Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   1,9 % (Mai) 0,7 % (April)  2,2 % 1,9 %
Deutschland Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)    2,0 % (Juni vorläufig) -1,2 % (Mai)   2,2 % -0,2 %
UK Verbraucherpreise (J)  3,4 % (Mai)  2,6 %
China Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   -0,1 % (Mai) -3,3 % (Mai)  -0,1 % -2,5 %
Tabelle 1: Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise

Fazit: Die Weltwirtschaft verliert wegen der geopolitischen Krisenherde und der disruptiven US-Zollpolitik bedeutungsvoll an Dynamik. Die Konjunkturverläufe zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens bleiben weiter markant pro Globalem Süden ausgerichtet.

Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert (zuletzt Annäherung Indien/China), Effizienzen erhöht und Wachstumspotenziale generiert, läuft der „Westen“, allen voran Europa, das Risiko durch Abgrenzungspolitik gegenüber China und Russland unterproportional zu wachsen.

Die Neuausrichtung der USA zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Kooperation mit Russland, die wiederholt von US-Präsident Trump in Aussicht gestellt wurde, mag der US-Wirtschaft bei Umsetzung weitere Vorteile gegenüber der Ökonomie Europas verschaffen. Zudem war Trump seit seiner Amtseinführung im Januar sehr erfolgreich, Investitionen und Geschäftsvolumen in die USA zu lotsen (KI bis zu 3 Billionen USD, Pharmasektor circa 230 Mrd. USD, Saudi-Trip bis zu 2 Billionen USD).

Die Perspektive: 2025, weiter ein Jahr der Turbulenzen

Die von den USA ausgehenden geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen wirken sich grundsätzlich auf die globale Wirtschaftsaktivität fortgesetzt belastend aus. Ein schneller Lastwechsel in Richtung verstärkten Wachstums ist vor dem aktuell verfügbaren Nachrichten- und Datenhintergrund unwahrscheinlich. Weitere von den USA ausgehende Turbulenzen sind im Rahmen der gewollten Disruption zur Neugestaltung des Welt-Organigramms zu Gunsten von US-Interessen latent möglich.

In diesem Kontext konstatierte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, Zentralbank der Zentralbanken), dass die Weltwirtschaft nach ihrer Einschätzung vor einer neuen Ära der Unsicherheit stehe. Zunehmende Handelskonflikte und geopolitische Spannungen gefährdeten das globale Finanzsystem laut jüngst veröffentlichtem Jahresbericht. Der von den USA vorangetriebene Handelskrieg und andere politische Weichenstellungen zerfaserten die etablierte Wirtschaftsordnung. Dies stelle auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in Institutionen wie die Zentralbanken auf die Probe. In dem Jahresbericht warnte die BIZ eindringlich vor der weltweit steigenden Staatsverschuldung. Dieser Trend könne nicht so weitergehen. Zudem trügen die Alterung der Bevölkerung, der Klimawandel und Probleme in den Lieferketten zu einem unbeständigeren Umfeld bei.

Nicht nur die seitens der USA mit Zöllen belegten Länder sind und bleiben ökonomischen Stresszuständen ausgeliefert. Die Daten aus den USA belegen, dass die US-Wirtschaft holpert. So sank die Kapazitätsauslastung der US-Industrie von März auf Mai 2025 von 77,8 % auf 77,4 %. Der S&P Composite Index, der mit 52,8 Punkten solides Wachstum der Gesamtwirtschaft impliziert, scheint die Realität nur in Teilen abzubilden. So bleibt der US-Immobiliensektor in einem rezessiven Umfeld gefangen, messbar am Index der anhängigen Hausverkäufe (tiefste Niveaus der letzten 25 Jahre) oder dem NAHB Housing Market Index (Tiefststand seit 12/2022). Auch die Daten des die US-Wirtschaft tragenden Sektors der Dienstleistungen sind ambivalent. Der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektor nach Lesart des ISM notierte per Mai bei 49,9 Punkten (zarte Kontraktion), während der Index, der von S&P für diesen Sektor erhoben wird, mit 53,7 Zählern solides Wachstum impliziert. Derartige Divergenzen forcieren keine Zuversicht für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Trumps massive Erfolge, Investitionen in die USA zu leiten, spielen auf kurze Sicht eine untergeordnete Rolle, sie haben mittel- und langfristigen positiven Charakter. Unterschwellig unterstützend wirken in den USA die Themen Energieversorgungssicherheit und insbesondere im Vergleich zu Europa günstige Energiepreise.

Bezüglich der Ukraine-Krise bleiben die USA determiniert, Frieden zu schaffen, was insbesondere für Europa Potenzial (Aspekte Kosten, Wirtschaftspotenzial) erhöhen würde. Die Politik seitens des UK, Frankreichs, Deutschlands und der EU wirkt trotz unterstützender Lippenbekenntnisse jedoch faktisch gegen diese Entwicklung. Ergo steht dieser positive Katalysator voraussichtlich weiter zeitnah nicht zur Verfügung.

Die Nahostlage bleibt kritisch. Die zunächst temporäre Befriedung des Iran-Israel-USA-Konflikts wirkt positiv. Anders der Gaza-Konflikt, er bleibt virulent und ungelöst.

Die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich, sind mangels umfassender Reformpolitik weiter Belastungsfaktoren in der Eurozone. Die ehemaligen Problemländer sind dank der Reformen heute die Stabilisatoren der Eurozone.

Die Wahlen in Deutschland haben sich bezüglich der zu erwartenden Inhalte der neuen Regierung bisher als wenig belastbar erwiesen. Wortbrüche und Brüche des Koalitionsvertrags (zuletzt Stromsteuer) pflastern den Weg der neuen schwarz-roten Koalition und unterminieren das Vertrauen von Wirtschaft und Bürgern. Das Risiko, dass Deutschland die EU und Eurozone nach unten zieht, ist und bleibt gegeben. Fehlende Konkurrenzfähigkeit bei den Rahmendaten wird bestenfalls unterproportional seitens Deutschlands, Frankreichs und der EU adressiert.

Die in China aufgelegten Konjunkturprogramme und die wirtschaftsfreundliche Grundausrichtung der Regierung stabilisieren den regionalen Ausblick im Hinblick auf die exogenen Herausforderungen. Weitere Zinssenkungen zur stärkeren Stimulanz sind im Hinblick auf den hohen positiven Realzins jederzeit möglich. Die Daten Chinas sollten vor diesem Hintergrund weiter von Stabilität mit positivem Grundton geprägt sein.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer Dynamikabschwächung der Konjunktur. Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per Mai 2025 mit 51,2 Punkten versus Februar 2025 mit 51,5 Punkten zunächst überschaubare Momentum-Verluste.

Die Einkaufsmanagerindices (PMIs) signalisieren in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die USA mit 52,0 Punkten (S&P Index) und für Japan mit 50,4 Zählern Expansion. Dagegen ergeben sich in der Eurozone laut Definition des Index mit 49,4 Punkten (Deutschland 49,0) und im UK mit 47,7 Zählern Kontraktion.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor aus Indien (58,4) und aus Russland (50,2) implizieren Wachstum. Dagegen implizieren die Werte aus China (49,7) und aus Brasilien (49,4) Kontraktion.

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im 2. Quartal 2025 laut Einkaufsmanagerindices in einer Gesamtbetrachtung im Quartalsvergleich ex Deutschland und Brasilien im Wachstumsmodus.  

LandJuni 2025   Dienstleistungen, vorläufige WerteMärz 2025 Dienstleistungen, finale Werte 
Eurozone50,051,0
Deutschland:49,450,9
UK:51,352,5
USA:53,154,4
Japan: 51,550,0
Indien: 60,758,5
China (NBS Indices)50,450,8
Russland52,2 (Mai)50,1
Brasilien49,6 (Mai)52,5
Tabelle 2: Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors im Vergleich

Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60 %-70 % der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 2. Quartal 2025 losgelöst vom partiellen Dynamikverlust zumeist der entscheidende Katalysator des Wachstums. Das wird sich im dritten Quartal 2025 fortsetzen.       

Die vollzogenen Zinssenkungen als auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität grundsätzlich Unterstützung. Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten am Geldmarkt (bis zu 12 Monaten) ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen.

Die im 2. Quartal 2025 verfügten Leitzinssenkungen seitens der EZB (0,50 %) und der Bank of England (0,25 %) hatten jedoch auf den Rentenmärkten nur partielle Traktion. Damit stand der Entlastung am Geldmarkt, die wichtig für die Finanzierung des Umlaufvermögens ist, eine überschaubare Entlastung am Kapitalmarkt gegenüber (Investitionen).

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sank im Quartalsvergleich von 2,73 % auf aktuell 2,60 % und die 10-jährige britische Staatsanleihe von 4,68 % auf 4,48 %. Anders war das in den USA. Dort kam es nach dem Renditeverfall im 1. Quartal 2025 zu einer Seitwärtsbewegung (4,21 %). Die US-Notenbank verzichtete fortgesetzt auf Zinssenkungen.

Der Rohstoffsektor hatte auf die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte leicht unterstützende Auswirkungen im Rahmen von Preisrückgängen insbesondere in den Sektoren Energie und Industriemetallen im 2. Quartal 2025.

Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft hängt an der internationalen Politik (Zoll- und Geopolitik), aber auch an der US-Notenbank bezüglich der Zinspolitik. Entspannung bei diesen Themen eröffnet der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten positives Potential. 

Die Spreizung bezüglich der potentiellen Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen und den Schwellenländern setzt sich fort.

Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen. Das bisherige Reformpaket weist in die richtige Richtung, ohne jedoch Primärursachen (u.a. Energie) zu bereinigen.

Das Risiko einer deutschen konjunkturellen „Scheinblüte“ mit konsumtiven ökonomischen Einmaleffekten anstelle von investiven Multiplikatoreffekten (Generierung von Steuersubstrat) steht im Raum, wenn die strukturellen Kernursachen nicht adressiert werden.  

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft

An den Finanzmärkten ergaben sich im Frühjahrsquartal teilweise starke Neubewertungen. Losgelöst von der schwächeren globalen Konjunkturdynamik und den geowirtschaftlichen als auch geopolitischen Herausforderungen waren Risikoaktiva nach dem 8. April gefragt.

Die Erholung korrelierte nach dem Zollschock mit der Erkenntnis, dass US-Präsident Trump eine pragmatische Herangehensweise in den Zollkonflikten einschlug, um potentielle Schäden für die US-Wirtschaft zu minimieren, aber ohne seine Zielprojektionen aufzugeben. Die geopolitischen Eskalationen, allen voran der Angriff auf den Iran durch Israel und die USA, hatten keine nachhaltige Risikoaversion zur Folge.                  

Aktienmärkte: Aktien legten zu, Divergenzen bei der Amplitude

Das Frühjahrsquartal war an den Aktienmärkten von einem hohen Maß an Heterogenität bei positiver Grundtendenz geprägt. Der MSCI-World Index konnte im Quartalsvergleich um 10,96 % zulegen. Die US-Märkte stachen positiv hervor, gleiches gilt für den Nikkei Index. Die europäischen Märkte generierten eine heterogene Performance. Der DAX stieg deutlich, der EuroStoxx 50 mühte sich auf leicht positives Terrain. Auch der indische Aktienmarkt reüssierte. Dagegen lieferten sowohl der Hangseng (Hongkong) als auch der CSI 300 (Festlandchina) zwar eine positive, aber unterproportionale Entwicklung. 

Index30.06.202531.03.2025Veränderung   
MSCI World4.026,443.628,64+10,96 %
DAX (Xetra)23.909,6122.163,49+7,88 %
EuroStoxx 505.309,135.273,90+0,67 %
S&P 5006.204,955.610,09+10,60 %
US Tech 100 22.679,0119.272,39+17,68 %
Nikkei Index40.487,3935.617,56+13,67 %
CSI Index3.936,083.887,31+1,25 %
HangSeng Index24.072,2823.119,58+3,92 %
Sensex Index83.606,4677.414,92+8,00 %
Tabelle 3: Vergleich der Aktienmärkte auf Quartalssicht; © Netfonds AG

Im 2. Quartal 2025 zerstreuten sich die Ängste, die im März 2025 aufkamen, dass die so genannten „Trump-Trades“ zur Disposition stünden. Aktien und Krypto-Anlagen lieferten eine starke Performance gekoppelt an den Pragmatismus Trumps in den Zollkonflikten. Auch das Thema der US-Leitzinssenkungen wurde zum Ende des 2. Quartals 2025 hoffähiger. Im Raum stehen zwei Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf.

Trotz der Verluste in der globalen Wirtschaftsdynamik lief die Berichtssaison der Unternehmen positiv. In der Berichtssaison setzten insbesondere US-Techwerte positive Akzente, allen voran Microsoft und Alphabet. In der Folge waren insbesondere US-Aktienmärkte nachgefragt.

Die Leitzinssenkungen der EZB und der Bank of England verfehlten zwar eine umfassende Wirkung am Rentenmarkt, sie wurden dennoch vom Aktienmarkt goutiert. Die anhaltenden Anpassungen internationaler Portfolien zu Gunsten europäischer Titel bleibt ein hintergründiger Unterstützungsfaktor.

Die Aktienmärkte in Fernost generierten kein einheitliches Bild. Der Nikkei-Index (Japan) stieg signifikant nach der Schwäche im 1.Quartal 2025. Der indische Markt (Sensex) hat sich deutlich erholt. Anzeichen eines Endes der mehr als ein Jahr dauernden Konsolidierung sind gegeben. Dagegen liefen sowohl die Märkte Festlandchinas (CSI 300) als auch Hongkongs der Performance hinterher. Beide Märkte, aber vor allen Dingen Festlandchina, werden aus politischen Gründen weniger stark in Portfolien berücksichtigt. Für das Sommerquartal gilt es, die Wendungen in der Geopolitik und in der Zollpolitik eng zu begleiten. Entspannungen liefern Aufwärtspotenzial.

Rentenmärkte: Fallende Renditen in Europa, Seitwärtsbewegung in den USA

Die Rentenmärkte der USA und Europas zeigten sich im Verlauf des 2. Quartals 2025 in unterschiedlicher Verfassung.

Augenfällig war und ist, dass die Zinssenkungen der EZB und der Bank of England im 2.Quartal 2025 am Rentenmarkt nur partiell verfingen. Offenbar gibt es ein Vertrauensdefizit der Märkte gegenüber den beiden Zentralbanken, aber auch begründete Sorgen bezüglich der öffentlichen Haushaltspolitiken in Europa.

Die Verweigerung der Fed, Zinsen trotz repressiven Realzinses um die Marke von +2 % (EUR +0,10 %, Japan -3,0 %) zu senken, verhinderte eine positive Performance der US-Staatsanleihen.

 Rendite 31.03.2025Rendite 30.06.2025Verbraucherpreise (CPI)Realzins (Rendite – CPI)
10-jährige Staatsanleihen Chinas      1,87 %1,65 %-0,1 % (Mai)+1,75 %
10-jährige britische Gilts      4,68 %4,48 %+3,4 % (Mai)+1,08 %
10-jährige Bundesanleihen      2,73 %2,60 %+2,0 % (Juni)+0,60 %
10-jährige Staatsanleihen Japans      1,47 %1,43 %+3,5 % (Mai)-2,07 %
10-jährige US-Staatsanleihen      4,21 %4,21 %+2,4 % (Mai)+1,81 %
Tabelle 4: Vergleich der Rendite-Entwicklungen an den Rentenmärkten; © Netfonds AG

Fazit: Die nicht gegebene Traktion der Kapitalmärkte auf die Leitzinssenkungen im 1. Quartal 2025 wich einer unterproportionalen Traktion der Leitzinssenkungen europäischer Notenbanken im 2. Quartal 2025. Damit nahm die Steilheit der Zinskurven zu.

Der Verzicht der US-Notenbank auf Zinssenkungen verhinderte Renditerückgänge an den US-Märkten.

Die Wirksamkeit der Leitzinssenkungen bezüglich der Forcierung der Investitionstätigkeit, die maßgeblich kapitalmarktabhängig ist, bleibt in Europa unausgeprägt. 

Devisenmärkte: Euro profitiert markant

Der Euro profitierte stark von Sorgen über die öffentlichen US-Haushalte und deren nachhaltige Finanzierung. Die Herabstufung der Bonität der USA um eine Stufe seitens der Ratingagentur Moody’s lieferte einen weiteren Katalysator. Auch die geringere

negative Anpassung des BIP der Eurozone (-0,2 % auf +0,8 %) im Vergleich zu den USA (-0,9 % auf +1,8 %) mag hilfreich gewesen sein. Verbalakrobatik, dass der EUR in die Rolle des USD hineinwachsen werde oder könne, wirkten losgelöst von Fakten psychologisch unterstützend.

Die den Euro belastenden Faktoren, 

  • der zunehmenden Zinsdifferenz zu Gunsten des USD am Geldmarkt,
  • des hohen positiven Realzinses in den USA gegenüber der Eurozone, 
  • der leistungsertüchtigenden Reformpolitik der USA (Steuern, Subventionen, weniger Bürokratie, billige Energie, Versorgungssicherheit) bei unzureichender Reformpolitik in Europa, 
  • der Wachstumsdifferenz zu Gunsten der USA, 
  • der US-Wirtschafts- und Technologiefreundlichkeit,
  • und der hohen Investitionszusagen (reale Kapitalzuflüsse) der Unternehmen (KI, Pharma etc.) für den US-Standort

spielen derzeit keine tragende Rolle.  

31.03.202530.06.2025Veränderung
EUR-USD1,08171,1786+8,96 %
EUR-JPY162,20169,65+4,59 %
EUR-CHF0,95660,9343-2,33 %
EUR-GBP0,83700,8578+2,49 %
Bitcoin/USD82.369,46107.171,00+30,11 %
Gold/USD3.124,133.302,29+5,70 %
Tabelle 5: Devisenkursentwicklungen; © Netfonds AG

Fazit: Die derzeit stattfindende Anpassung der internationalen Portfolien zu Gunsten Europas hält an und unterstützt den Euro, allen voran den Schweizer Franken. Die Fokussierung auf die US-Haushaltsproblematik unter Ausblendung der zunehmenden Probleme in den Haushalten der Länder der Eurozone ist ein zweiter Katalysator. Die Vorteile der USA als Wirtschaftsstandort, die Ansätze der Haushaltskonsolidierung, die dortigen Verbesserungen der Rahmendaten und der Zinsvorteil werden derzeit nicht diskontiert.

Gold konnte im 2. Quartal 2025 weiter glänzen und legte wegen der globalen Unsicherheiten und Umbrüche um 5,70 % zu. Hintergründig unterstützen ausgeprägte Notenbankkäufe. Gold hat im Jahr 2024 den Euro als zweitgrößte Devisenreserve hinter dem USD abgelöst. Bitcoin als nicht korreliertes Anlagegut profitierte stark und legte um 30,11 % zu. 

Folker Hellmeyer

Chefvolkswirt der Netfonds AG

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Netfonds AG

US-Disruption führt zu erhöhter Verunsicherung in Politik, Wirtschaft und Märkten

Das 1. Quartal 2025 war gekennzeichnet von Disruptionen der Trump-Administration in vielen Feldern. Sie haben zur Folge, dass sowohl das Organigramm als auch die Systematiken, die unsere Welt seit 1945 maßgeblich bestimmten, in Frage gestellt sind. Die Folge ist eine erhöhte Verunsicherung in der Realwirtschaft als auch an den Finanzmärkten.

Von einem grundsätzlich multilateralen von der Globalisierung geprägten Ansatz, aber bei weitem nicht perfektem System, mäandert die westliche Weltgemeinschaft durch die aktuelle US-Politik zu einer Politik der bilateralen Beziehungen, in der weniger das Recht, als die Stärke oder vermeintliche Stärke bestimmend ist. Gleichzeitig setzt sich der Emanzipationsprozess des Globalen Südens fort, der nach wie vor das System der multilateralen und rechtsbasierten Ordnung anstrebt. Die US-Regierung agiert völlig losgelöst vom Völkerrecht mit Interessen an Grönland, Kanada und dem Panama-Kanal. Drohungen, die Ziele im Zweifelsfall auch militärisch zu erzwingen, stehen im Raum. Dieser Politikansatz verunsichert.

Andererseits ist die US-Regierung fokussiert, den Ukraine-Krieg zu beenden und die wirtschaftliche Kooperation mit Russland auch gegen den Widerstand in großen Teilen Europas, allen voran in Frankreich und dem UK, wiederzubeleben. Das wirkt positiv.

Der Nahost-Konflikt bleibt virulent. Die loyale Haltung der USA gegenüber Israel ist ausgeprägt. Ob Palästina eine Zukunft hat, ist offen. Davon unabhängig erscheint eine nachhaltige Befriedung der Region außer Sichtweite. Die US-Zollpolitik war und ist bezüglich des Themas Wirtschaft der entscheidende Belastungsfaktor. Zölle sind administrierte Preiserhöhungen. Sie belasten die Wirtschaftssubjekte und das Potenzialwachstum. Die Unsicherheit, ob die aggressive Zollpolitik der USA zu größeren Handelskriegen führen wird, forcierte im Verlauf des 1. Quartals 2025 zunehmende realwirtschaftliche Verunsicherung und Risikoaversion an den Finanzmärkten.

Exkurs: Diese Zollpolitik der USA ist nur möglich, weil die USA zuvor die Schiedsgerichte der WTO (Welthandelsorganisation) durch Nichtbesetzung der Richterposten in der Phase 2014 – 2019 handlungsunfähig machten. 166 Staaten von 193 UN-Staaten haben sich der Gerichtsbarkeit der WTO unterworfen. Die WTO stellt das Gerüst der Globalisierung durch einen belastbaren Rechtsrahmen dar. Die Zoll- und Sanktionspolitik der USA stellt seit Jahren einen kontinuierlichen Bruch des WTO-Rechts dar, der nicht verfolgt werden kann, da die Schiedsgerichte nicht handlungsfähig sind.

Trotz dieser Belastungen war die Weltwirtschaft im 1. Quartal 2025 gekennzeichnet von maßvoller Konjunkturdynamik. Der Internationale Währungsfonds erhöhte im Januar 2025 die Wachstumsprognose für das Wirtschaftswachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr von 3,2 % auf 3,3 %. Das Wachstum teilt sich laut Prognosen des IWF ungleich zwischen Industrieländern und den aufstrebenden Ländern auf. Industrieländer werden laut aktueller IWF-Prognose 2024 um 1,9 % (zuvor 1,8 %) zulegen, während die aufstrebenden Länder die Wirtschaftsleistung um 4,2 % (zuvor 4,2 %) ausweiten werden. Innerhalb der Industrieländer nehmen die Divergenzen zu. Die Prognose der USA wurde deutlich um 0,5 % auf 2,7 % erhöht, während die Prognose für die Eurozone um 0,2 % auf 1,0 % reduziert wurde. Dafür war eine Reduktion der BIP-Prognose Deutschlands um 0,5 % auf 0,3 % maßgeblich verantwortlich. Der so genannte Globale Süden bleibt der Taktgeber und Stabilisator der Weltwirtschaft. Innerhalb des Globalen Südens ist Asien bezüglich der Wirtschaftsentwicklung dominant. Die IWF-Prognose für den asiatischen Raum liegt per 2025 bei 5,1 % (zuvor 5,2 %).

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich zum Ende des 1. Quartals 2025 ein heterogenes Bild zu Lasten Japans und Europas. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) bezüglich der großen Industrienationen oder Industrieregionen mit 53,5 Zählern vor Großbritannien mit 52,0 Punkten und der Eurozone mit 50,4 Punkten. Japans Composite Index impliziert mit 48,5 Zählern Kontraktion.

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 1. Quartal 2025 überwiegend leichte Entspannungssignale. Im Quartalsvergleich sank der Ölpreis (Brent) um knapp 2 %. Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Rückgang um gut 4 % im Quartalsvergleich, in den USA ein Anstieg um rund 3 %. Bei Industriemetallen dominierten zumeist höhere Preise. Kupferpreise legten im Quartalsvergleich auf USD-Basis um rund 11 % und auf EUR-Basis um gut 6,5 % zu. Bei Nickel lag der USD-Anstieg bei gut 5 % und der Anstieg auf EUR-Basis bei knapp 1,5 %. Bei Aluminium kam es auf USD-Basis zu einem Plus in Höhe von rund 2,5 %, auf EUR-Basis zu einem Rückgang um circa 1,5 %.

In der Eurozone ergab sich als Konsequenz ein Rückgang der Verbraucherpreise in der Phase von Dezember bis Februar von 2,4 % auf 2,3 % und in den USA von 2,9 % auf 2,8 %. Großbritannien verzeichnete dagegen von Dezember bis Februar einen Anstieg von 2,5 % auf 2,8 %. In Japan legten die Verbraucherpreise von 3,6 % auf 3,7 % zu. Im Verlauf des 1. Quartals 2025 ergab sich in China ein Deflationsszenario mit einem Rückgang der Verbraucherpreise um 0,7 % zuletzt und einem Rückgang der Erzeugerpreise um 2,3 %. Das 1. Quartal 2025 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von zwei Zinssenkungen in der Eurozone um jeweils 0,25 % auf aktuell 2,50 % (Anlagezins). Die US-Notenbank verzichtete auf weitere Zinsschritte und nahm eine abwartende Haltung ein (Fed Funds Satz 4,375 %). Im UK kam es zu einer Senkung um 0,25 % auf jetzt 4,50 %. Japans Notenbank sah sich hinsichtlich hoher Preisniveaus zu einer Zinserhöhung von 0,25 % auf 0,50 % genötigt. In China wurden die Zinssätze für die „Loan Prime Rates“ trotz der Deflationslage unverändert belassen (1-jährige Kredite jetzt 3,10 %, 5-jährige Kredite aktuell 3,60 %).

LänderMonat Februar 2025Monat Dezember 2024
USA: Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,8% 3,2%  2,9% 3,3%
Eurozone: Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,3% 1,8% (Januar 2025)  2,4% 0,0%
Deutschland Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,3% 0,7%  2,6% 0,8%
UK Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,8% 0,3% (Januar 2025)    2,5% -0,1%
China Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   -0,7% -2,2%    0,1% -2,3%
Tabelle 1 Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise

Fazit: Die Weltwirtschaft hält trotz Krisenherden und US-Disruptionen weitgehend das Niveau der erwarteten Expansion. Die Konjunkturverläufe zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens bleiben markant pro Globalem Süden ausgerichtet. Innerhalb der Industrienationen fällt Europa gegenüber den USA weiter ab.

Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, läuft der „Westen“ das Risiko, durch Abgrenzungspolitik gegenüber China und Russland unterproportional zu wachsen. Die Neuausrichtung der USA zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Kooperation mit Russland, die im Putin/Trump Telefonat in Aussicht gestellt wurde, mag der US-Wirtschaft bei Umsetzung weitere Vorteile gegenüber der Ökonomie Europas verschaffen.

Die Perspektive: 2025, zunächst ein Jahr der Turbulenzen

Die von den USA ausgehenden politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen wirken sich grundsätzlich auf die globale Wirtschaftsaktivität belastend aus.

Der Politikstil maximaler Forderungen der Trump-Administration irritiert. Ermutigend ist dann die wieder im Raum stehende Verhandlungsbereitschaft, mit dem Ziel, für die USA günstige „Deals“ abzuschließen.

Im April wird es zunächst zur Verhängung der angekündigten US-Zölle kommen. Anschließend ist Trump laut aktuellen Aussagen bereit, nachzuverhandeln. Die Reaktionen bezüglich der betroffenen Länder sind nach manchen martialischen Einlassungen zu Beginn (u.a. Kanada) diplomatischer geworden. Viele Länder sind zu Konzessionen gegenüber den USA bereit, um die Zollhöhen zu nivellieren. Zu ihnen gehören Indien, Vietnam und zuletzt auch die EU, die laut Presseberichten diesbezüglich Handlungsfelder definiert.

Nicht nur die seitens der USA mit Zöllen belegten Länder sind ökonomischen Stresszuständen ausgeliefert. Die Daten aus den USA belegen, dass die positive Wahrnehmung der Trump-Politik zunehmend konterkariert wird. So nimmt der Optimismus kleiner Unternehmen seit zwei Monaten ab. Das Verbrauchervertrauen brach förmlich ein. Die Mahnungen seitens der Wirtschaftsverbände nehmen ob der US-Politik deutlich zu. Das von der Atlanta Federal Reserve betriebene Modell zur Berechnung des US-BIP im ersten Quartal 2025 steht seit dem 28. März bei -2,8 % in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung. Als Fazit lässt sich ziehen, dass die heiß gekochte „Suppe der Zölle“ wohl nicht ganz so heiß ausgelöffelt wird.

Die erwartete Konjunkturbelebung per 2025, die auch in der Januar-Prognose des IWF zarte Traktion hatte, weicht der Erkenntnis, dass das „Best Case“-Szenario fortgesetzte maßvolle Konjunkturdynamik sein wird. Diesbezüglich wird der IWF Mitte April die neuen Konjunkturprognosen vorlegen. Leichte Reduktionen sind in hohem Maße für das Jahr 2025 wahrscheinlich.

Bezüglich der Ukraine-Krise bleiben die USA determiniert, Frieden zu schaffen, was insbesondere für Europa Potential (Aspekte: Kosten, Wirtschaftspotential) erhöhen würde. Die Politik seitens des UK, Frankreichs, Deutschlands und der EU wirkt jedoch gegen diese Entwicklung. Ergo steht dieser positive Katalysator voraussichtlich zeitnah nicht zur Verfügung.

Die EU agiert statisch und ist und bleibt voraussichtlicher Verlierer dieser Konstellationen. Geopolitisch hängt die EU in den Ansätzen der „US-Biden-Politik“ fest und erscheint nicht bereit, die Kriegsausrichtung ernsthaft durch Unterstützung der Friedensinitiativen anzupassen.

Die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich, wirken politisch fortgesetzt dysfunktional. Die Wahlen in Deutschland haben sich bezüglich der zu erwartenden Inhalte der neuen Regierung bisher als wenig vielversprechend erwiesen. Die Erkenntnis, dass mehr Geld nicht notwendige Reformen ersetzen kann, erscheint derzeit unausgeprägt zu sein. Entsprechend reagieren die Wirtschaftsverbände zunehmend kritisch. Ohne Reformen nimmt das Risiko der Abwanderung der Unternehmen aus Deutschland zu. Das Risiko, dass Deutschland die EU und Eurozone nach unten zieht, ist und bleibt gegeben. Die US-Wirtschaft zeigt sich aktuell verunsichert bezüglich Wirkungen der US-Zollpolitik auf Inflation und Konjunktur, messbar in einigen Sentiment-Indikatoren. Andererseits wurden im 1. Quartal 2025 massive Investitionen im KI-Bereich und Pharmasektor (u.a. Johnson & Johnson 55 Mrd. USD, Ely Lilly 27 Mrd. USD) angekündigt oder vereinbart. Der Potentialwachstumspfad der USA erhöht sich diesbezüglich mittel- und langfristig. Hoffnungen sind berechtigt, dass das Thema Zölle im 2. Quartal 2025 zu größten Teilen beordnet sein sollte. Nach 12 Monaten fallen die statistisch messbaren Wirkungen wegen der Basiseffekte zu großen Teilen weg. Ergo bleibt der Pfad der US-Wirtschaft zunächst labil. Die Perspektiven stimmen dank verbesserter Rahmendaten (weniger Bürokratie, geringere Steuern, mehr und günstige Energie).

Die in China aufgelegten Konjunkturprogramme und die wirtschaftsfreundliche Grundausrichtung der Regierung verbessern den regionalen Ausblick. Zinssenkungen zur stärkeren Stimulanz sind im Hinblick auf den hohen positiven Realzins jederzeit möglich. Die Daten Chinas sollten vor diesem Hintergrund weiter von Stabilität mit positiven Grundton geprägt sein.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer Dynamikabschwächung der Konjunktur. Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per Februar 2025 mit 51,5 Punkten den schwächsten Indexstand seit Dezember 2023.

Die Einkaufsmanagerindices (PMIs) signalisieren in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die westlichen Länder Kontraktion. Die USA schneiden mit 49,8 Punkten am besten ab. Die Eurozone folgt mit 48,7 Zählern (Deutschland 48,3). Japan reiht sich mit 48,3 Zählern ein, gefolgt vom UK bei 44,6 Punkten.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor aus Indien (57,6), aus Brasilien (53,0), aus China (NBS 51,5, Caixin 51,1) und aus Russland (50,2) belegen die positive Divergenz zu Gunsten des Globalen Südens.

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im ersten Quartal 2025 laut Einkaufsmanagerindizes in einer Gesamtbetrachtung im Quartalsvergleich ex UK in einer Abwärtsbewegung.

LandMärz 2025   Dienstleistungen, vorläufige WerteDezember 2024 Dienstleistungen, finale Werte 
Eurozone50,451,6
Deutschland:50,251,2
UK:53,251,1
USA:54,356,8
Japan: 49,550,8
Indien: 57,759,3
China (NBS Indices)50,8 52,2 
Russland50,5 (Februar)51,2
Brasilien50,6 (Februar)51,6
Tabelle 2 Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors im Vergleich

Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60 % – 70 % der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 1. Quartal 2025 losgelöst vom Dynamikverlust weiterhin der entscheidende Katalysator des Wachstums.

Die vollzogenen Zinssenkungen als auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität grundsätzlich Unterstützung. Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten am Geldmarkt (bis zu 12 Monaten) ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen.

Die im 1. Quartal 2025 verfügten Leitzinssenkungen seitens der EZB (0,50 %) und der Bank of England (0,25 %) hatten jedoch auf den Rentenmärkten keine Traktion. Im Gegenteil, die Renditen legten zu. Damit stand der Entlastung am Geldmarkt, die wichtig für die Finanzierung des Umlaufvermögens ist, eine Verschärfung am Kapitalmarkt gegenüber, der für Investitionen von tragender Bedeutung ist. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe legte im Quartalsvergleich von 2,36 % auf aktuell 2,74 % zu, die 10-jährige britische Staatsanleihe von 4,57 % auf 4,68 %. Anders war das in den USA. Die US-Notenbank verzichtete auf Zinssenkungen. In der Folge kam es zu einem Renditerückgang im Ultimovergleich von 4,52 % auf 4,22 %.

Der Rohstoffsektor hatte auf die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte überwiegend keine wesentlichen Auswirkungen im 1. Quartal 2025.

Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft hängt an der internationalen Politik. Das gilt für die US-Zollpolitik und die Antworten der betroffenen Länder als auch der Geopolitik bezüglich der Ukraine-Krise und der Krise um Palästina. Entspannung bei diesen Themen eröffnet der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten positives Potential.

Die Spreizung bezüglich der Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen wird sich zu Gunsten der Schwellenländer fortsetzen. Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft

An den Finanzmärkten ergaben sich im Winterquartal Neubewertungen. Europäische Aktienmärkte gewannen Boden. Fernöstliche Aktienmärkte lieferten ein heterogenes Ergebnis. So stiegen der Hangseng (Hongkong) und der Kospi (Südkorea), Festlandchina verlor leicht, ebenso wie der indische Markt. Der Nikkei (Japan) verlor signifikant. US-Aktienmärkte gaben deutlich nach. Europäische Rentenmärkte tendierten schwächer, US-Rentenmärkte dagegen freundlich. Krypto-Anlagen verloren signifikant. Edelmetalle waren stark nachgefragt. Der EUR konnte gegenüber dem USD zulegen.

Aktienmärkte: Divergentes globales Bild

Das Winterquartal war an den Aktienmärkten geprägt von einem hohen Maß an Heterogenität. Der MSCI-World Index verlor im Quartalsvergleich, was auch am hohen US-Anteil im Index lag (-2,14 %). Dagegen reüssierten die europäischen Märkte. Das galt noch mehr für den Hangseng (Hongkong). US-Märkte standen dagegen unter deutlichem Druck. Mehr noch gilt es für den Nikkei (Japan). 

Index31.03.202531.12.2024Veränderung   
MSCI World3.628,663.707,84-2,14%
DAX (Xetra)22.163,4919.909,14+11,32%
EuroStoxx 505.273,904.859,17+8,53%
S&P 5005.610,095.881,63-4,62%
US Tech 100 19.272,3921.012,17-8,28%
Nikkei Index35.617,5639.894,54-10,72%
CSI Index3.887,313.934,91-1,21%
HangSeng Index23.119,5820.059,95+15,25%
Sensex Index77.414,9278.139,01-0,93%
Tabelle 3 Vergleich der Aktienmärkte im Quartalsverlauf; Copyright: Netfonds AG

Das Quartal war geprägt von der Erwartung, dass es zu weniger US-Leitzinssenkungen kommen wird. Das belastete US-Märkte hintergründig. Die Evaluierung der Trump-Politik wirkte bis in die zweite Hälfte Februar positiv, da sich die Märkte auf geringere Steuern, weniger Bürokratie und mehr und günstigere Energie fokussierten. Dann drehte sich die Einschätzung auch wegen der näher rückenden US-Zollpolitik und den darin innewohnenden Risiken markant. Insbesondere hoch bewertete Titel der USA wurden abverkauft.

Trotz der steileren Zinskurve in den europäischen Ländern konnten die europäischen Märkte deutlich an Boden gewinnen. Die Leitzinssenkungen der EZB und der Bank of England verfehlten zwar ihre Wirkung am Rentenmarkt vollständig, sie wurden dennoch vom Aktienmarkt goutiert. Die anhaltenden Anpassungen internationaler Portfolien zu Gunsten europäischer Titel bleibt ein hintergründiger Unterstützungsfaktor. Dabei spielt die entspanntere geopolitische Risikoeinschätzung eine bedeutende Rolle. Zudem gab es eine Rotation von der Allokation von hoch bewerteten Märkten in günstiger bewertete Märkte. Die Aktienmärkte in Fernost generierten kein einheitliches Bild. Der Nikkei-Index (Japan) gab signifikant nach. Sowohl der indische Markt (Sensex) als auch der Markt von Festlandchina (CSI 300) gingen mit leichten Verlusten aus dem Quartal. Dagegen konnte der Markt in Hongkong markant Boden gewinnen. Er profitierte unter anderem von der Rotation in günstig bewertete Märkte. Für das Frühlingsquartal gilt es, die Wendungen in der Geopolitik und in der Zollpolitik eng zu begleiten. Entspannungen liefern Aufwärtspotenzial.

 Rendite 31.12.2024Rendite 31.03.2025Verbraucherpreise (CPI)Realzins (Rendite – CPI)
10-jährige Staatsanleihen Chinas1,69%1,88%-0,7%+2,58%
10-jährige britische Gilts4,56%4,68%2,8%+1,88%
10-jährige Bundesanleihen2,36%2,74%2,3%+0,44%
10-jährige Staatsanleihen Japans1,07%1,47%3,7%-2,23%
10-jährige US-Staatsanleihen4,52%4,21%2,8%+1,41%
Tabelle 4 Vergleich der Rendite-Entwicklungen an den Rentenmärkten; Copyright Netfonds AG

Fazit: Die massiven Schuldenprogramme der EU für Waffen (konsumtiv) und auch Deutschlands (mindestens 50 % konsumtiv) werfen neben der prekären Haushaltslage Frankreichs aber auch Großbritanniens lange Schatten auf europäische Rentenmärkte. Die nicht gegebene Traktion der Leitzinssenkungen europäischer Notenbanken am Rentenmarkt unterminiert die Wirksamkeit der Leitzinssenkungen bezüglich der Forcierung der Investitionstätigkeit, die maßgeblich kapitalmarktabhängig ist. Eine Fortsetzung dieser Entwicklung verschärft zudem das Thema Kosten der Staatsfinanzierung in europäischen Ländern. Derzeit scheint die Einschätzung der internationalen Kapitalmärkte bezüglich der USA und deren Politikansätzen von größerer Zuversicht geprägt zu sein.

Devisenmärkte: EUR und JPY auf der Verliererstraße

An den Devisenmärkten profitierte der Euro von einer neuen geopolitischen Einwertung der Risiken für Europa ausgehend von der Ukraine und der Neuadjustierung internationaler Aktien-Portfolien zu Gunsten Europas. Das waren und sind die entscheidenden Größen für den Anstieg, aber auch die bisherige Widerstandskraft für den Euro auf dem gegenwärtigen Niveau.

Die den Euro belastenden Faktoren,

  • ob das Thema der zunehmenden Zinsdifferenz zu Gunsten des USD am Geldmarkt,
  • des hohen positiven Realzinses in den USA gegenüber der Eurozone,
  • der leistungsertüchtigenden Reformpolitik der USA (Steuern, Subventionen, weniger Bürokratie, billige Energie, Versorgungssicherheit) bei ausbleibender Reformpolitik in Europa,
  • aber auch der Wachstumsdifferenz zu Gunsten der USA,
  • der US-Wirtschafts- und Technologiefreundlichkeit
  • und der Frage nach der Qualität des politischen Personals,

spielen derzeit keine tragende Rolle. 

31.12.202431.03.2025Veränderung
EUR-USD1,03521.0818+4,50%
EUR-JPY162,64162.20-0,27%
EUR-CHF0,93870.9566+1,90%
EUR-GBP0,82710.8370+1,19%
Bitcoin/USD93.061,5882.369,46-11,49%
Gold/USD2.623,823.124,13+19,07%
Tabelle 5 Devisenkursentwicklungen; Copyright Netfonds AG

Fazit: Die derzeit stattfindend Anpassung der internationalen Portfolien zu Gunsten Europas hält an und unterstützt den Euro. Es handelt sich jedoch um eine nicht dauerhaft extrapolierbare Entwicklung, da die Portfolioanpassung ein temporäres Phänomen ist. Sollten das UK und Frankreich zudem weiter den Versuch machen, den von Trump initiierten Friedensprozess im Ukraine-Konflikt zu konterkarieren, könnte sich die Stärke und Widerstandskraft des Euros schnell verflüchtigen, da die Fundamentaldaten faktisch keine dauerhafte Neubewertung des Euros auf hohem Niveau zulassen.

Gold konnte im 1. Quartal glänzen und legte wegen der globalen Unsicherheiten und Umbrüche um 19,07 % zu. Am Ultimo März erreichte Gold ein neues Allzeithoch bei 3.127,92 USD. Bitcoin als nicht korreliertes Anlagegut konnte dagegen nicht profitieren und gab signifikant um 11,49 % nach. 

Folker HellmeyerChefvolkswirt der Netfonds AG

Fortsetzung der maßvollen globalen Konjunkturdynamik

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Netfonds AG

Das 4. Quartal 2024 war fortgesetzt gekennzeichnet von maßvoller Konjunkturdynamik in der Weltwirtschaft. Geopolitik wirkte sich durch Eskalationen und verschärfte Sanktionsregime hintergründig weiter belastend aus. Geopolitik ist und bleibt der entscheidende Grund für Zurückhaltung der Wirtschaftssubjekte weltweit.

Der Internationale Währungsfonds bestätigte im Oktober 2024 die Wachstumsprognose gegenüber der April-Prognose für das Wirtschaftswachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr bei 3,2 % (2023 3,3 %). Das Wachstum bleibt laut IWF global ungleich verteilt. Industrieländer werden laut aktueller IWF-Prognose 2024 um 1,8 % (April-Prognose 1,7 %) zulegen, während die aufstrebenden Länder die Wirtschaftsleistung um 4,2 % (April-Prognose 4,2 %) ausweiten werden.

Der so genannte Globale Süden bleibt der Taktgeber und Stabilisator der Weltwirtschaft. Innerhalb des Globalen Südens ist Asien bezüglich der Wirtschaftsentwicklung dominant. Die IWF-Prognose für den asiatischen Raum liegt per 2024 bei 5,3 % (April-Prognose 5,4 %).       Innerhalb der großen Industrienationen kam es im 4. Quartal 2024 zu Verschiebungen, die die konjunkturelle Schwäche Europas bestätigten. Die BIP-Prognose des IWF für die USA wurde gegenüber der April-Prognose von 2,6 % auf 2,8 % erhöht, während die Prognose für die Eurozone von 0,9 % auf 0,8 % reduziert wurde. Deutschlands BIP-Prognose wurde von 0,2 % auf 0,0 % angepasst. Deutschlands Schwäche belastet die Eurozone fortgesetzt.

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich zum Ende des 4. Quartals 2024 ein heterogenes Bild zu Lasten Kontinentaleuropas. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) mit 56,6 Zählern vor Japan mit 50,8 Zählern, Großbritannien mit 50,5 Punkten und der Eurozone mit 49,5 Punkten (Deutschland 47,8).

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 4. Quartal 2024 überwiegend Verspannungssignale. Wesentlicher Hintergrund war das Auslaufen von Basiseffekten und Preisanstiegen im Bereich der Nahrungsmittel (z.B. Kaffee, Kakao, Weizen). Auch Ölpreise wirkten sich mit einem Anstieg um rund 3 % im Quartalsvergleich inflationstreibend aus. Im Ultimovergleich kam es bei der Sorte Brent zu einem Anstieg von knapp 72 USD auf knapp 74 USD. Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Anstieg im Quartalsvergleich um knapp 45 %, in den USA um rund 35 %. Bei Industriemetallen dominierten dagegen Preisrückgänge. Sie waren in den USA ausgeprägter als in Europa. Kupferpreise gaben im Quartalsvergleich auf USD-Basis um 9,3 % und auf EUR-Basis um 2,9 % nach. Bei Nickel lag der USD-Rückgang bei 9,9 %, auf EUR Basis bei -3,6 %. Bei Aluminium (energieintensive Produktion) kam es auf USD-Basis zu einem Minus in Höhe von 2,3 % und auf EUR-Basis zu einem Anstieg um 4,6 %.

In der Eurozone ergab sich als Konsequenz eine Zunahme der Verbraucherpreise in der Phase von September bis November von 1,7 % auf 2,2 %, in den USA von 2,4 % auf 2,7 % und in Japan von 2,5 % auf 2,9 %. Großbritannien verzeichnete von September bis November einen Anstieg von 1,7 % auf 2,6 %. Im Verlauf des 4. Quartals bestätigte sich das Disinflationsbild in China mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um zuletzt nur noch 0,2 % und einem Rückgang der Erzeugerpreise um 2,5 %.

Das 4. Quartal 2024 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von Zinssenkungen in der Eurozone (zwei Senkungen um 0,25 %, aktuell 3,15 %), den USA (zwei Senkungen um 0,25 %, aktuell 4,375 %) und im UK (eine Senkung um 0,25 %, aktuell 4,75 %). Japans Notenbank verweigerte sich Zinserhöhungen und hielt am Leitzins bei 0,25 % fest. In China wurden die Zinssätze für die „Loan Prime Rates“ um 0,25 % reduziert (1-jährige Kredite jetzt 3,10 %, 5-jährige Kredite aktuell 3,60 %).

LänderMonat November 2024Monat September 2024
USA: Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,7% 3,0%  2,4% 1,8%
Eurozone: Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,2% -3,2% (Oktober)  1,7% -3,4%
Deutschland Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,2% 0,1%  1,6% -1,4%
UK Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   2,6% -1,9%  1,7% -2,3%
China Verbraucherpreise (J) Erzeugerpreise (J)   0,2% -2,5%  0,4% -2,8%
Tabelle 1: Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise

Fazit: Die Weltwirtschaft hält trotz Krisenherden das Niveau der Dynamik. Die Homogenität zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens im Konjunkturverlauf bleibt fragmentiert. Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, läuft der „Westen“ das Risiko, durch Abgrenzungspolitik gegenüber China und Russland unterproportional zu wachsen. Europa verliert gegenüber anderen westlichen Konkurrenten weiter an Boden.

Die Perspektive: 2025, ein Jahr der Chancen?

Eine kurzfristige Trendwende zu leicht erhöhter globaler Wirtschaftsdynamik ist am Ende des 4. Quartals 2024 für das 1. Quartal 2025 und darüber hinaus vor dem Hintergrund einer zukünftig entspannteren geopolitischen Lage (Ukraine) dank der Wahl Donald Trumps zum kommenden US-Präsidenten erkennbar. Zudem sollten sich Trumps angekündigte Wirtschaftsmaßnahmen (Deregulierung, Steuersenkungen, Forcierung Energiewirtschaft, Investitionsanreizsysteme) positiv auf das US-BIP auswirken.  Auch die in China aufgelegten Konjunkturprogramme verbessern den regionalen als auch globalen Ausblick. Die EU agiert statisch und ist voraussichtlicher Verlierer dieser Konstellation. Die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich, wirken politisch dysfunktional und kaum dazu in der Lage, notwendige große strukturelle Anpassungen im erforderlichen Maße zu bewältigen.   Zum Ende des 4. Quartals 2024 ergibt sich seitens Donald Trumps eine konziliantere zukünftige Gangart bezüglich des Umgangs mit China. Messbar ist das an der veränderten Zollankündigungspolitik Trumps. Die Höhe der geplanten Zölle auf Chinas Exporte in die USA wurde zunächst verbal von 60 % auf 10 % reduziert. Entspannungen in diesem bilateralen Verhältnis hätten positive Rückwirkungen auf das globale Wirtschaftsumfeld.

Bezüglich der Ukraine-Krise sind trotz der Eskalation seitens der aktuellen Biden-Regierung Vorbereitungen auf eine diplomatische Lösung in näherer Zukunft wahrscheinlich. Der Nahost-Konflikt bleibt kritisch.

Die vom Westen forcierte Geopolitik mit verschärften Sanktionsregimen, zeitigen bremsenden und spaltenden Konjunktureinflüsse. Das gilt vor allen Dingen für den Westen selbst wegen rückläufiger Absatzmärkte und eingeschränkter Beschaffungsmärkte. Trägt man im Westen diesen Realitäten Rechnung? Die Chance, dass diese Politik nivelliert wird, steht für 2025 ausgehend von den USA unter einer Trump-Präsidentschaft im Raum.

Die bisherige Politik beeinträchtigte auch die Schwellenländer, ohne deren positive Grundtendenz zu gefährden. Um dieser Belastung durch den Westen entgegenzuwirken, wurden und werden die Strukturen des Globalen Südens weiterentwickelt, allen voran die BRICS-Organisation (BRICS Treffen in Kasan im Oktober), die vor einer weiteren deutlichen Ausweitung steht. Die Ankündigung weiterer Partnerländer steht zeitnah an. Der konstruktive Strukturaufbau erhöht perspektivisch das Potentialwachstum der Teilnehmerländer.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer etwas ausgeprägteren Konjunkturdynamik. Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per November 2024 mit 52,4 Punkten eine leicht positive Tendenz (Oktober 52,3) nach der Abschwächung per August/September.

Die Einkaufsmanagerindices (PMIs) signalisieren in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die westlichen Länder auch als Folge der Sanktionspolitiken Kontraktion. Japan schneidet mit 49,5 Zählern am erfolgreichsten ab.  In den USA liegt der aktuelle Index bei 48,3 Punkten, im UK bei 47,3 Punkten, in der Eurozone bei 45,2 und in Deutschland bei 42,5 Zählern. Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor aus Indien (57,4), aus Brasilien (52,3), aus Russland (50,8) und aus China (NBS 50,1, Caixin 51,5) belegen die positive Divergenz zu Gunsten des Globalen Südens. Der Dienstleistungssektor bewegte sich im ersten Quartal 2024 laut Einkaufsmanagerindices in einer Gesamtbetrachtung im Quartalsvergleich global in einer Aufwärtsbewegung.

LandDezember 2024  Dienstleistungen, vorläufige WerteSeptember 2024 Dienstleistungen, finale Werte 
Eurozone51,451,4
Deutschland:51,050,6
UK:51,452,3
USA:58,555,2
Japan: 51,453,1
Indien: 60,857,7
China (NBS Indices)52,250,0
Russland51,250,5
Brasilien53,6 (November)55,8
Tabelle 2: Einkaufsmanagerindices des Dienstleistungssektors im Vergleich

Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60%-70% der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 4. Quartal 2024 weiterhin der entscheidende Katalysator des Wachstums. Der Dienstleistungssektor der Eurozone war laut Quartalsvergleich stabil. Die USA verzeichneten eine verstärkte und hohe Dynamik. Großbritanniens positive Dynamik schwächte sich auf das Niveau der Eurozone ab. Gleiches gilt für Japan. Russlands PMI legte zu. Indien hält weiter den Spitzenplatz, Brasilien verliert an positiver Dynamik, China gewann an Momentum.

Die vollzogenen Zinssenkungen und die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität grundsätzlich Unterstützung. Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten am Geldmarkt (bis zu 12 Monaten) ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen. Die im 4. Quartal 2024 verfügten Leitzinssenkungen hatten jedoch auf den Rentenmärkten einen die Rendite erhöhenden Einfluss. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe legte im Quartalsvergleich von 2,13 % auf aktuell 2,36 % zu. In den USA kam es zu einem erheblichen Renditeanstieg im Ultimovergleich von 3,79 % auf 4,52 %. Ergo entlasten die Zinssenkungen lediglich am kurzen Ende der Zinskurve. Das lange Ende der Zinskurve, das insbesondere für die Investitionstätigkeit und die Immobilienmärkte von Relevanz ist, generiert keine Entlastung, sondern belastet.

Der Rohstoffsektor belastete die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte überwiegend im 4. Quartal 2024. Größere Entlastungen sind perspektivisch bezüglich der stabilen globalen Konjunkturentwicklung (IWF-Prognose 2025 Welt BIP +3,2 %) als auch des dargelegten Chancenprofils nicht zu erwarten.

Die verfügbaren Fakten liefern keine Grundlagen für einen starken Trendwechsel der Weltkonjunktur, aber sehr wohl ein positives Chancenprofil. Die Spreizung bezüglich der Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen wird sich zu Gunsten der Schwellenländer fortsetzen. Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft

An den Finanzmärkten ergaben sich im Herbstquartal viele Neubewertungen. Westliche Aktienmärkte gewannen Boden, fernöstliche Aktienmärkte gaben nach. Rentenmärkte waren schwach. Krypto-Anlagen reüssierten. Der USD war gefragt!

Index30.09.202431.12.2024Veränderung   
MSCI World3.723,033.707,84-0,43%
DAX (Xetra)19.324,9319.909,14+3,02%
EuroStoxx 505.014,694.859,17-3,10%
S&P 5005.759,315.917,88+2,75%
US Tech 100 20.056,9221.232,32+5,86%
Nikkei Index37.919,5539.894,54+5,21%
CSI Index4.017,853.934,91-2,06%
HangSeng Index21.133,6820.059,95-5,08%
Sensex Index84.299,7878.139,01-7,31%
Tabelle 3: Vergleich der Aktienmärkte im Quartalsverlauf

Entscheidender Faktor für diese Entwicklung ist die steilere Zinskurve in den westlichen Ländern. Die Leitzinssenkungen wirkten sich am langen Ende des Kapitalmarkts renditetreibend aus, das verunsicherte.  Das Thema unsolider Staatshaushalte insbesondere in den USA, dem UK und Frankreich verbunden mit den Risiken erhöhter Finanzierungskosten für diese Staaten hemmte die Aktienmärkte gleichfalls.

Aktienmärkte: Divergentes globales Bild

Das Herbstquartal war für die westlichen Aktienmärkte mit Ausnahme des EuroStoxx 50 und unter Inkludierung des Nikkei positiv. Das gilt jedoch nicht für den Rest der bedeutenden Aktienmärkte des Fernen Ostens. Dort dominierten Verluste. Diese Divergenz machte sich am MSCI-World Index fest, der im Quartalsvergleich trotz des hohen Anteils an US-Werten leicht an Boden verlor (-0,43 %). Die klassische Jahresschlussrally versandete Mitte Dezember (DAX 13.12.2024 mit Allzeithoch bei 20.522,82 Punkten). Global ergab sich die schwächste Performance der Jahresendrallye seit 1966.     

In Europa reüssierte der DAX (+3,02 %) im Quartalsvergleich dank Eindeckungen von Leerverkaufspositionen als auch günstiger Bewertung, während der EuroStoxx50 Boden verlor (-3,10 %). Aber auch die Aussicht auf eine entspanntere Lage im Ukraine-Konflikt wirkte sich für den DAX unterstützend aus.

Die Vorteile des US-Wirtschaftsraums gegenüber Europa bezüglich der Themen Innovationspolitik, Regulatorik, Energiepolitik, Steuerpolitik und Subventionspolitik wirkten und wirken an den Märkten grundsätzlich zu Gunsten der Allokation in US-Werte. Die Wahl Trumps erhöhte das Profil der Attraktivität der US-Aktienmärkte. Die Aktienmärkte in Fernost verloren ex Japan (Nikkei +5,21 %) an Boden. Die massive Rallye des CSI 300 per September wurde in Teilen korrigiert. Die erhöhten Niveaus im Vergleich zum Jahresanfang (3.386 Punkte) und im Jahresverlauf wurden weitgehend gehalten. Das angekündigte umfassende Wirtschaftsprogramm Pekings unterstützt. Was für den CSI 300 gilt, gilt auch zu größten Teilen für den Aktienmarkt in Hongkong (Hang Seng: Jahresbeginn 16.788 Punkte, Jahresschluss 20.060 Punkte).

Indiens Wirtschaft liefert ein starkes Wachstum. Indiens Sensex Aktienmarktindex war einer der besten Performer in den letzten 5 Jahren (+89 %). Die im Vergleich zu anderen asiatischen Märkten hohe Bewertung führte im 4. Quartal 2024 zu Gewinnmitnahmen (-7,81 %). Fazit: Die Bewertungen zum Ende des 4. Quartals 2024 an den westlichen Aktienmärkten signalisieren Verunsicherung bezüglich der Entwicklung der Kapitalmarktzinsen. Weiterhin sind US-Aktien trotz zum Teil hoher Bewertungen gesucht. Trumps angekündigte Ertüchtigung des Leistungscharakters der US-Wirtschaft lieferte und liefert voraussichtlich auch zukünftig Potential für Attraktivität des US-Aktienmarkts. Chinas Wirtschaftspolitik als auch der konziliantere Ton zwischen Trump und Xi implizieren Potential. Europas Ansatz der „Nichtertüchtigung“ des Leistungscharakters der Wirtschaft und des fortgesetzten außenpolitischen Ansatzes der „westlichen Moralpolitik“ nivellieren die Attraktivität.

Rentenmärkte: Steigende Renditen im Quartalsverlauf, aber nicht in China

Die Rentenmärkte der USA und Europas zeigten sich im Verlauf des 4. Quartals 2024 in schwacher Verfassung. Hintergründe sind reduzierte Leitzinssenkungserwartungen, höhere Verbraucherpreise und teilweise unsolide Staatsfinanzen. Das gilt auch für Japans Rentenmärkte, jedoch nicht für China. Dort wirkten sich die Zinssenkungen am Kapitalmarkt umfänglich entlastend aus. Hintergrund ist die im Gegensatz zu den westlichen Ländern rückläufige und schwache Inflationsentwicklung.  

 Rendite 30.09.2024Rendite 31.12.2024Verbraucherpreise (CPI)Realzins (Rendite – CPI)
10-jährige Staatsanleihen Chinas2,18%1,69%0,2%+1,49%
10-jährige britische Gilts4,04%4,62%2,6%+2,00%
10-jährige Bundesanleihen2,13%2,36%2,4%-0,04%
10-jährige Staatsanleihen Japans0,87%1,07%2,9%-1,83%
10-jährige US-Staatsanleihen3,76%4,52% 2,7%+1,82%
Tabelle 4: Vergleich der Rendite-Entwicklungen an den Rentenmärkten

Fazit: Die nicht gegebene Traktion der Leitzinssenkungen westlicher Notenbanken am Rentenmarkt unterminiert die Wirksamkeit der Leitzinssenkungen bezüglich der Forcierung der Investitionstätigkeit, die maßgeblich kapitalmarktabhängig ist. Eine Fortsetzung dieser Entwicklung verschärft zudem das Thema Kosten der Staatsfinanzierung in westlichen Ländern. Ergo liefert dieses Thema einer deutlich steileren Zinskurve sowohl für die Wirtschaftsentwicklung als auch für die Bewertung an Aktienmärkten ein zu beachtendes Risikocluster.

Devisenmärkte: EUR und JPY auf der Verliererstraße An den Devisenmärkten verlor der Euro gegenüber dem USD signifikant an Boden.  Die Zinssenkungserwartungen in den USA sind gegenüber dem Vorquartal deutlich reduziert. Die ökonomische Divergenz zu Lasten Europas und zu Gunsten der USA ist signifikant und wird sich dank der Politikansätze der Trump-Regierung ausweiten. Zudem ist Kontinentaleuropa politisch dysfunktional, allen voran die Schwergewichte Deutschland und Frankreich. Die JPY-Schwäche ist dagegen maßgeblich bedingt durch den Verzicht auf Zinserhöhungen. Das aktuelle Leitzinsniveau von 0,25 % und Kaitalmarktzinsniveau (10-jährige Staatsanleihen) bei 1,07 % fällt gegenüber den Zinsniveaus des USD, des GBP und des EUR ab. Gold als Währung ohne Fehl und Tadel konnte die erhöhten Niveaus knapphalten. Die Krypto-Anlage Bitcoin profitierte massiv, da die Trump-Regierung eine positive Grundhaltung zu dieser Anlageklasse pflegt.

30.09.202431.12.2024Veränderung
EUR-USD1,11841.0352-7,44%
EUR-JPY159,21162,64+2,15%
EUR-CHF0,94290.9387-0,45%
EUR-GBP0,83440,8271-0,87%
Bitcoin/USD63.314,8593.061,58+46,98%
Gold/USD2.635,612.623,82-0,45%
Tabelle 5: Devisenkursentwicklungen

Fazit: Das Thema der US-Leistungsertüchtigung gekoppelt mit reduzierten Zinssenkungserwartungen wirkte sich für den USD unterstützend aus. Die Lähmung in Europa, erkennbar an mangelndem Reformwillen, an ideologischer Ausrichtung in der sensiblen Energiepolitik und moralisierender Außenpolitik, impliziert weitere Substanzverluste Europas im Theater der Weltwirtschaft mit negativen Implikationen für den EUR. Die labilen Verfassungen vieler westlicher Staatshaushalte und die sukzessive Abkehr des Globalen Südens vom westlichen Finanzsystem wirkten sich auf Gold und Krypto-Anlagen unterstützend aus. Eine Fortsetzung von Stabilität und positivem Potential ist grundsätzlich gegeben

Folker Hellmeyer

Chefvolkswirt der Netfonds AG

Wie Great? Wie nachhaltig? – Gastbeitrag von Kay-Peter Tönnes, GF Antecedo Asset Management GmbH

Neben dem normalen Jahreswechsel am ersten Januar beginnt das politische Jahr 2025 am 20. Januar mit der Amtseinführung Donald Trumps. Trump wird von Anfang an Gas geben, um seine Agenda umzusetzen. Denn er leidet von Beginn an unter einem, für einen neugewählten Präsidenten ungewöhnlichem, Manko: Er kann in vier Jahren nicht wiedergewählt werden.

USA: Trump 2.0

Es wurde in den letzten Monaten schon geschrieben, dass Trump auch die Verfassung ändern könnte, um eine weitere Amtszeit zu erreichen, doch dies wäre ohne einen echten Verfassungsbruch kaum möglich. Denn um die Verfassung der USA zu ändern, benötigt es eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kongresskammern und zusätzlich der Bestätigung durch Dreiviertel der Bundesstaaten. Diese Voraussetzungen für eine Änderung des 22. Verfassungszusatzes (Beschränkung der Präsidentschaft auf zwei Amtszeiten) sind nicht zu erreichen. Wenn Trump sein politisches Erbe erhalten und auch vor zukünftiger Strafverfolgung sicher sein will, dann wird er schon frühzeitig einen Kronprinzen benennen müssen. Ein fantastischer Kandidat könnte auch aus der eigenen Familie kommen.

Schon allein, weil er nicht endlos Zeit hat, werden die ersten 100 Tage seiner neuen Amtszeit eine staccatoartige Abfolge von Entscheidungen bieten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit wären hier folgende Punkte zu nennen:

  1. Austritt aus dem Klimaschutzabkommen
  2. Aufhebung von Beschränkungen zur Gewinnung fossiler Energien
  3. Stopp des „Green Deal“ Programms
  4. Begnadigungen der verurteilten Täter des Kapitol Sturms von 2021
  5. Einsetzen einer Untersuchungskommission zur Aufklärung der „Wahlfälschung von 2020“
  6. Maßnahmen zur verstärkten Grenzsicherung
  7. Erste Maßnahmen zur Rückführung illegaler Einwanderer
  8. Einschnitte in den Sozialbereich
  9. Anordnungen zur Deregulierung im Energie- und Finanzbereich
  10. Einführung von Zöllen gegenüber China, Mexiko und Kanada (mit Möglichkeit zusätzlicher Erhöhungen)
  11. Androhung von Zöllen gegenüber der EU
  12. Austritt aus Abkommen zur atomaren Rüstungskontrolle
  13. Personeller Umbau der amerikanischen Bundesverwaltung

Diesen relativ kurzfristigen Maßnahmen werden Initiativen zur Steuersenkung und zum Rückbau des Sozialsystems folgen. So extrem einem Europäer diese Aufstellung auch erscheinen mag, die Börse ist keine moralische Instanz und hier sollten zunächst einmal die Aussichten auf Deregulierung und Steuersenkungen positiv für den Aktienmarkt sein.

Diese Entwicklungen treffen auf einen Aktienmarkt, der auch bisher schon in keiner schlechten Verfassung war, und vor allem von den Technologiewerten angetrieben wurde. Dabei wird derzeit oft von einem Hype um Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen, doch diese kurzfristige Betrachtungsweise verkennt, auf welcher ökonomischen Stufe der Durchdringung der Wirtschaft mit Künstlicher Intelligenz wir stehen. Um dies zu verdeutlichen, will ich kurz die uns bekannte Entwicklung der digitalen Revolution der wahrscheinlichen Entwicklung der KI-Revolution gegenüberstellen.

Wo steht die KI-Revolution?

Stand in der digitalen Revolution die Entwicklung von Basistechnologien wie Computerchips, Internet und kabellose Datenübertragung jeweils am Anfang des nächsten Evolutionsschrittes, so folgte in der zweiten Stufe die Umsetzung in eine anwendbare Technologie. Beispiele dafür sind Betriebssysteme wie Microsoft Office oder die Bereitstellung von Funknetzen für die mobile Datenübertragung. In der darauf aufbauenden dritten Stufe wurden diese technischen Angebote von zumeist anderen Firmen mit Inhalten, wie dem E-Commerce, gefüllt. Die letzte Stufe einer technologischen Durchdringung besteht aus den Effekten, die der technologische Wandel auf Unternehmen ausübt, die nicht direkt mit der neuen Technologie verbunden sind. Als positives Beispiel kann man hier die Logistiker sehen, die von dem gestiegenen Versandhandel profitiert haben und auf der entgegengesetzten Seite die Warenkaufhäuser.

Quelle: Antecedo Asset Management GmbH

Schauen wir auf die KI-Revolution, erkennen wir in unserem Raster, dass wir noch ganz am Anfang stehen. Die Basistechnologien sind erst wenige Jahre alt und verbessern sich weiterhin mit hohem Tempo. Die Anwendungen beruhen derzeit noch in erster Linie auf Mustererkennung und strahlen derzeit noch wenig über ihr eigenes Anwendungsfeld hinaus. Doch genau das sollte sich auf den Stufen drei und vier ändern. Was könnte KI hier bewirken? Zunächst wäre hier an die schon bekannten Themen autonomes Fahren, medizinische, steuerliche und rechtliche Beratung oder Militärtechnik zu denken. Doch es geht viel weiter. Mit KI reduzieren sich Versuchsreihen in der Material- oder Medizinforschung massiv, so dass der gesamte Fortschritt eine Beschleunigung erfahren sollte. Eine Batterietechnik, die bei Autos und Flugzeugen die fossilen Antriebskonzepte verdrängt, autonome Rohstoffförderung auf dem Meeresboden oder der Menschheitstraum das Altern aufzuhalten, geraten hier in denkbare Reichweite. Das wären dann die epochalen Veränderungen der KI-Revolution.

Sind die Technologieaktien schon zu weit gelaufen?

Diese Fortschritte werden natürlich noch nicht alle 2025 erreicht, doch berücksichtigen sollte man, dass die Veränderungen durch die KI-Revolution die Aktienbörse noch auf Jahre hinaus stützen können und vermutlich nicht nur ein kurzer Hype sind. Die weitergehende Frage ist, ob die Erwartungen hier schon so weit vorausgelaufen sind, dass trotz fortschreitender technologischer Durchdringung nicht doch ein Rücksetzer zu erwarten ist, wie er in der dotcom-Krise Anfang des Jahrhunderts stattgefunden hat. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir auf die aktuellen Bewertungen der Technologieaktien schauen.

Hierzu zeigt die folgende Grafik in Weiß den Kursverlauf des NASDAQ 100 in den letzten drei Jahren und als farbige Linien die die Gewinnschätzungen (umgerechnet in Indexpunkte) für die einzelnen Jahre. Die untere blaue Linie ist die Gewinnschätzung des Jahres 2023, die Ende 2023 aufhört, da hier die Schätzung zum bekannten vergangenen Ereignis wird. In orange folgt die Gewinnschätzung des Jahres 2024 (die in Kürze auch zum sicheren Ereignis wird), in lila die Gewinnschätzung 2025, in gelb die Gewinnschätzung 2026 und in hellblau die Schätzungen 2027. Was man in der Grafik erkennt, ist dass nicht nur die Kurse der Technologieaktien stark gestiegen sind, sondern auch die Gewinne bzw. die zukünftigen Gewinnerwartungen. Realisieren sich die Analystenerwartungen, steigen die Gewinne der Technologieaktien über einen längeren Zeitraum mit einer Wachstumsrate um die 20 % p.a. Ein Wert, mit dem kaum ein anderer Markt mitkommt.

Quelle: Bloomberg

Auf Basis der 2025 Gewinnerwartung liegen wir aktuell bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 31 für den NASDAQ 100. Das ist nicht billig, aber auch nicht so hoch, dass man davon ausgehen könnte, dass Technologieaktien jetzt nicht mehr weiter steigen können. Wenn sich die Gewinnsteigerungen in diesem Ausmaß sogar noch längerfristiger in der Zukunft halten ließen, was vor allem der Fall wäre, wenn die Dynamik der KI-Revolution auch auf Indexwerte in der zweiten und dritten Reihe überspringt, dann bestehen hier noch Kurschancen. So lange ist es noch nicht her, dass auch die NVIDIA ein Wert der zweiten Reihe war. In jedem Fall sind wir von den 600er KGVs von vor der Dotcom-Krise weit entfernt. Wenn die Technologieaktien deutlich fallen sollten, dann vermutlich nicht auf Grund der Bewertung, sondern weil etwas geschehen ist, das zu massiven Zweifeln an diesem Gewinntrend geführt hat. Und da könnten wir uns, trotz der insgesamt guten Voraussetzungen, einiges vorstellen.

Make America Risky Again

In unserem Newsletter aus dem Sommer 2024 hatten wir uns ausführlich mit der Möglichkeit steigender Inflation im Falle einer erneuten Präsidentschaft Donald Trumps beschäftigt. Dabei sehen wir nicht einmal die drohenden Zölle als den Haupttreiber, sondern die Kombination aus Stimulierung der Wirtschaft und gleichzeitiger Verknappung von Arbeitskräften durch eine rigide Migrationspolitik. Da heute schon ein hohes Beschäftigungsniveau besteht, ist das Reservoir an zusätzlich verfügbaren Arbeitskräften begrenzt.

Schon damals hatten wir die folgende Grafik gezeigt, die als blaue Punkte die monatlichen Kombinationen aus Arbeitslosenquote (x-Achse) und Inflationsrate (y-Achse) darstellt. Die rote Linie zeigt die Trendgerade durch den Ereignisraum.

Quelle: Bloomberg / eigene Berechnung

Man erkennt, dass steigende Beschäftigung tendenziell zu höheren Inflationsraten führt. Richtige Inflationsausreißer nach oben kommen vor allem bei Arbeitslosenquoten unter 4,2 % zustande. Mit einem aktuellen Wert von 4,2 % liegen wir genau an der Grenze zu diesem Bereich und jetzt soll die ausländische Konkurrenz durch Zölle behindert, der Zuzug ausländischer Arbeitskräfte begrenzt und die Wirtschaft mit Deregulierung und Steuersenkungen angetrieben werden.

Der Auftrag der amerikanischen Notenbank Fed ist es nicht, die Arbeit der Regierung zu beurteilen, sondern die Geldwertstabilität zu gewährleisten. Um sich nicht dem Verdacht der politischen Einflussnahme auszusetzen, muss die Fed mit ihren Entscheidungen warten, bis die Daten auch zunehmenden Inflationsdruck zeigen. Und dies wird nicht direkt nach Trumps Amtsübernahme zu sehen sein. Vielmehr werden zunächst noch die bestehenden Abschwächungstendenzen dominieren, so dass voraussichtlich zunächst noch Zinssenkungen erfolgen. Doch ob diese noch so deutlich ausfallen werden, wie es die Märkte derzeit erwarten und wann der Inflationstrend nach oben dreht, das sind die großen Unbekannten.

Grundsätzlich wird die US-Notenbank Fed versuchen, sich aus der politischen Debatte herauszuhalten und sehr vorsichtig, immer mit dem Blick auf die Daten, agieren. Denn auch wenn es von offizieller Seite stets verneint werden wird, so steht die Fed von Seiten Trumps doch unter Druck. Im Mai 2026 endet die Amtszeit des bisherigen Fed-Chairmans Jerome Powell und Trump steht das Recht zu, seinen Nachfolger zu berufen. Ganz sicher wird es niemand sein, der seiner wirtschaftlichen Agenda kritisch gegenübersteht. Und von Trump nahestehenden Kreisen verlautete schon mehrfach, dass es Pläne gebe, die Notenbank auch schon vorher umzubauen. Eine Drohung, die man nicht völlig ignorieren sollte, denn Trump steht unter Zeitdruck.

Der Druck besteht nicht nur, weil er nicht wiedergewählt werden kann, sondern auch weil in den USA zur Hälfte der Amtszeit jedes Präsidenten Zwischenwahlen stattfinden. Bei diesen Zwischenwahlen werden das gesamte Repräsentantenhaus, ein Drittel des Senats und verschiedene Gouverneure in den Bundesstaaten neugewählt. Trump selbst hat in seiner ersten Amtszeit und viele seiner Vorgänger haben in diesen Zwischenwahlen ihre parlamentarische Mehrheit verloren und waren danach auf Kompromisse mit der Opposition angewiesen.

Bei Trumps radikaler Agenda ist das ein schwieriges Unterfangen. Und diese Zwischenwahlen am 03.11.2026 haben es in sich. Denn die Republikaner im Repräsentantenhaus verfügen nur über eine Mehrheit von fünf Abgeordneten. Im Senat, wo die Republikaner jetzt drei Senatoren über der Mehrheit stellen, entfallen von den 33 zu wählenden Senatoren 20 auf bisher republikanische Amtsinhaber und bei den Gouverneurswahlen muss in 36 von 50 Bundesstaaten gewählt werden, wobei eine Vielzahl der bisherigen Amtsinhaber nicht mehr antreten darf.

Einer der Gouverneure, der 2026 nicht mehr antreten darf, ist Gavin Newsome, der Gouverneur von Kalifornien. Als Regierungschef des bevölkerungsreichsten und ökonomisch bedeutsamsten US-Bundesstaates ist er derzeit der wichtigste Politiker der demokratischen Partei. Bei der Frage, wer anstelle von Biden gegen Trump antreten sollte, hatte sich Newsome, obwohl vielfach gefragt, zurückgehalten. Aber 2028 wird er sicher antreten. Um seine Rolle als Trump Gegenspieler auch ausfüllen zu können, hat er sich gerade vom Parlament in Kalifornien 35 Millionen USD für Klagen gegen Bundesbehörden genehmigen lassen. Eine Umfrage unter Anhängern der Demokraten in Kalifornien hat ergeben, dass sich 72 % als Nachfolgerin von Newsome im Gouverneursamt Kamala Harris wünschen. Die Kandidatur einer so bekannten Nachfolgerin, mit weitreichenden Kontakten würde Newsome sicher gerne unterstützen, um sich selber als den kommenden Mann für das Präsidentenamt zu empfehlen.

Trump, der es in seiner ersten Amtszeit geschafft hat, innerhalb von nur drei Monaten von einer deutlichen Mehrheit der Amerikaner abgelehnt zu werden, ist auf den Erfolg seiner Politik angewiesen. Die geplanten Einsparungen im Staatshaushalt von zwei Billionen USD sind nur annähernd möglich durch Einschnitte im Rentensystem und in der Gesundheitsversorgung. Auch seine eigenen Wähler würden darunter leiden und könnten dies höchstens verzeihen, wenn die US-Wirtschaft und die Einkommen außergewöhnlich stark steigen würden. Einen langanhaltenden Disput oder sogar eine Notenbank, die in der konjunkturellen Entwicklung auf die Bremse tritt, kann sich Trump nicht leisten. Der Konflikt ist klar vorprogrammiert mit eindeutigen Risiken für den Dollar und die Aktienmärkte.

Wann „Great“ gefährlich wird

Ein weiterer Punkt in Trumps Agenda sollte risikobewusste Anleger aufhorchen lassen. Die geplante Einsetzung einer Untersuchungskommission zum angeblichen Wahlbetrug von 2020. Verschiedene Gerichte haben eine Vielzahl von Klagen hierzu abgewiesen, da es nie schlagkräftige Beweise für einen solchen Betrug gab. Aber vermutlich ist das Ganze mehr als nur ein angeblicher Rachefeldzug Donald Trumps. Es geht vermutlich darum, Schwächen im Wahlsystem zu finden, die dann eine Änderung des Wahlrechts rechtfertigen, mit dem Hintergedanken, möglichst vielen tendenziell demokratischen Wählern (Minderheiten, einkommensschwache Schichten) die Teilnahme an der Wahl zu erschweren. Damit könnten die Chancen für einen auserkorenen Nachfolger und ein Fortbestehen der „Make America Great Again“ (MAGA)-Bewegung deutlich erhöht werden.

Trump hat schon mehrfach bewiesen, dass er Grenzen überschreiten kann, ohne dadurch gezwungen zu sein, die politische Bühne verlassen zu müssen. Doch könnte er jede Grenze verletzen? Vermutlich nicht. Es gibt ein historisches Beispiel eines Präsidenten, der glaubte, Grenzen und Gesetze zum eigenen Vorteil übertreten zu können. Gemeint ist Richard Nixon und die Watergate-Affäre. Besonders aus dem Blickwinkel, was es für den Anleger bedeutet hat, ist dieser Vergleich interessant.

Die Watergate-Affäre, die zum bisher einzigen Rücktritt eines US-Präsidenten geführt hat, beginnt am 17. Juni 1972 mit dem Einbruch in die Parteizentrale der demokratischen Partei im Watergate-Komplex in Washington. Zu Beginn wird dieser Einbruch noch keine hohe Bedeutung erlangen und Nixon im November 1972 wiedergewählt. Doch die Presse und Sonderermittler werden in den darauffolgenden Monaten ein Gestrüpp aus Gesetzesbrüchen, Korruption und Vetternwirtschaft aufdecken, das Amerika zutiefst erschüttert und zu anhaltenden Protesten führt.

Am 9. August 1974 tritt Nixon zurück, nachdem er auch die Unterstützung in den eigenen Reihen verloren hat. Gerade einmal vier Wochen später wird sein Amtsnachfolger Gerald Ford Nixon für alle begangen Taten begnadigen, so dass niemals ein Gerichtsverfahren gegen ihn stattgefunden hat. Die Anleger am amerikanischen Aktienmarkt mussten in der beschriebenen Zeitspanne Kursverluste von bis zu minus 40 % ertragen, wie die nächste Grafik am Beispiel des S&P 500 zeigt.

Quelle: Bloomberg

Man kann gegen diese Darstellung einwenden, dass in dem betrachteten Zeitabschnitt nicht nur die Watergate-Affäre, sondern auch der Jom-Kippur-Krieg und die daran anschließende erste Ölkrise liegen (Oktober 1973). Doch dann wäre auch die Gegenfrage statthaft, ob diese beiden Ereignisse auch so stattgefunden hätten, wenn Amerika nicht ein so zerrissenes Bild abgegeben hätte.

Was wir aus diesem Vergleich für die Börsenrisiken der zweiten Amtszeit Donald Trumps mitnehmen sollten, ist das Verständnis, dass die radikale Agenda Trumps auch zu einer solchen Instabilität innerhalb der USA führen kann, dass das Konsumentenvertrauen hiervon massiv gedrückt wird. Für eine binnenlastige Wirtschaft, wie die der USA, ein Problem, das dann auch zu sinkenden Aktienkursen führen sollte.

Bei Trump sind die Ankündigung und der Beginn immer großartig. Die Probleme kommen immer später mit den Fragen, wie nachhaltig diese Entwicklungen sind und welche Kosten sie verursachen. Dies wird so für die Börsenentwicklung gelten und auch für die internationalen Krisenherde. Trump ist Geschäftsmann und sieht Krieg, zu Recht, als Behinderung des Geschäftslebens. Er wird sicher versuchen, Konflikte, an denen die USA kein direktes Interesse haben, zumindest einzudämmen oder einzufrieren. Und wie immer bei Trump ergibt sich dann die Frage, wie nachhaltig wird dies sein?

Europa: Von Hellas lernen?

Dass Europa in der Krise steckt, ist keine überraschende Erkenntnis. Aber ganz Europa? Nein, es sind vor allem die klassischen Industrieländer des Nordens, die für die insgesamte Wachstumsschwäche des Kontinents verantwortlich sind, wie ein Blick auf die nationalen Wachstumsraten zeigt.

Quelle: Bloomberg / eigene Berechnung

Dass Griechenland, der fast abgeschriebene Schuldensünder der Vergangenheit, heute wieder zu den wachstumsstarken Ländern gehört, ist kein Zufall. Denn hier wurden einschneidende Reformen durchgeführt, während Deutschland oder Frankreich sich seit langem reformunwillig zeigen und stattdessen die Staatsquoten erhöht haben. Dass die beiden Länder aktuell keine handlungsfähigen Regierungen mehr besitzen, kommt erschwerend hinzu.

In Deutschland wird am 23. Februar 2025 gewählt. Und es besteht zumindest die Hoffnung, dass danach endlich Reformen auch angefasst werden. Denn wenn auch diese neue Regierung scheitern sollte, dann wird danach die bestehende Regierungsarithmetik aus etablierten Parteien nicht mehr zu halten sein.

Das ist ein Zustand, den Frankreich schon erreicht hat. Denn welche Minderheitsregierung hier bis zum Sommer weiter machen soll, bis wieder Neuwahlen möglich sind, ist völlig offen. Und auch danach ist eine Regierung, die eine Mehrheit und den Willen hätte, notwendige Reformen durchzuführen, nicht zu erkennen. Die beiden schwergewichtigen politischen Blöcke am linken und am rechten Rand des Spektrums wohl kaum. Von diesen wäre eher eine Anti-EU-Politik zu erwarten, mit den Zielen, französische EU-Zahlungen zu verringern und entgegen den geltenden Regeln weitere Schulden machen zu können. Am besten mit Hilfe der EZB. Im extremen Fall könnte sich in Frankreich eine neue Eurokrise entwickeln. Dies ist noch nicht abzusehen, aber die Ausdehnung der Spreads französischer Anleihen spricht eine deutliche Sprache.

Wenn die kommende deutsche Regierung Führung übernehmen und Reformen auch auf EU-Ebene umsetzen will, dann wird sie sich auf die alte Achse Berlin–Paris nicht mehr verlassen können. Stattdessen werden Konsultationen und Kompromisse mit mehreren Ländern notwendig werden. Aber es kann ja auch nicht so falsch sein, die Erfolgreichen mit an das Steuer zu lassen.

Über eines sollte man sich bewusst sein, wenn wir über die Börsenaussichten in Europa sprechen. Auf Grund der viel stärkeren Verkrustungen würden Reformen vermutlich viel positivere Effekte auslösen, als dies beispielweise in den USA bei gleichen Maßnahmen der Fall wäre. Zeigen sich die großen Staaten Europas allerdings reformunfähig, dann wird Europa insgesamt am Ende der globalen Wachstumsdynamik zu finden sein. Auch dass die EZB voraussichtlich die Zinsen stärker senken wird als andere Notenbanken, wird alleine nicht reichen. Der große Risikofaktor in Europa ist eine von Frankreich ausgehende Eurokrise.

China: Im Osten nichts Neues

Vor wenigen Jahren war es fast Gewissheit, dass China in absehbarer Zeit die USA als größte Wirtschaftsnation der Welt überholen würde. Dass dies nicht geschehen ist, lag vor allem an politischen Entscheidungen in China, deren Ziel es nicht war, die Dynamic des freien Unternehmertums zu stärken, sondern den Machterhalt der Kommunistischen Partei Chinas zu sichern und keine zwischenzeitlich belastenden Umbrüche zuzulassen. Die Auswirkungen dieser Politik kann man auch erkennen, wenn wir nur die Börse betrachten. Die folgende Grafik zeigt die Eigentümerstruktur der 100 größten börsennotierten chinesischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung im Wandel der Zeit. Privatunternehmen sind definiert mit maximal 10 % Staatsbeteiligung, halbstaatliche Unternehmen mit 10 % bis 50 % Staatsbeteiligung und Staatsunternehmen mit über 50 % Staatsbeteiligung.

Quelle: Reuters

Chinas Wirtschaft leidet an verschiedenen Problemen: Immobilienkrise, notleidende Kredite, demografische Entwicklung, inländische Konsumschwäche, Jugendarbeitslosigkeit, um nur die wichtigsten zu nennen. Um das fortlaufende Wirtschaftswachstum weiter auf dem gewünschten Niveau zu halten, haben die chinesische Notenbank und die chinesische Führung zuletzt eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die vor allem darauf abzielen, die Kapitalmärkte zu stützen, die Finanzierungsmöglichkeiten zu verbessern und die Gewinnsituation der Unternehmen zu erhöhen. Die Börsen hatten darauf zunächst geradezu euphorisch reagiert. Doch als echte Strukturreformen ausblieben, mussten die Gewinne mit chinesischen Aktien zum Teil wieder abgegeben werden. Gerade erst hat die chinesische Regierung angekündigt, die Unterstützung der Wirtschaft noch zu verstärken. Echte Strukturreformen sind damit voraussichtlich nicht gemeint.

Wie sehr China geldpolitische Maßnahmen einsetzt, um die entsprechenden Wachstumszahlen zu erzielen, soll die folgende Grafik verdeutlichen. Diese zeigt die in US-Dollar umgerechneten Geldmengen M2 der USA, der Eurozone, Chinas und die Addition der Geldmengen der USA und der Eurozone.

Quelle: Bloomberg

Die Grafik zeigt, dass die chinesische Geldmenge mittlerweile größer ist als die der USA und der Eurozone zusammen. Und wir können sicher von Zinssenkungen und von Konjunkturmaßnahmen in China ausgehen, so dass auch 2025 in China ein solides Wachstum zu erwarten ist.

Der Grund, warum China noch nicht vor riesigen Inflationsproblemen steht, ist, dass diese Geldschöpfung nicht im Konsum ankommt, sondern gespart wird. Würde der Wunsch der Regierung in Erfüllung gehen, dass die inländische Nachfrage stark steigt, dann müsste man mit einem rasanten Inflationsanstieg rechnen. Aber auch ohne Inflation wirft diese Geldmengensteigerung Fragen auf. Wie stabil ist eine Währung, die so vermehrt werden kann? Vermutlich ist es 2025 noch zu früh, aber unendlich wird sich eine solche Geldpolitik nicht fortsetzen lassen, ohne dass es zu hohen Inflationsraten kommt oder der Außenwert der Währung massiv einbricht.

Was sagen die Modelle?

Wer unsere Jahresausblicke schon länger liest, weiß, dass wir nie sagen „das wird so kommen“. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten. Wir haben aber Modelle entwickelt, die überwiegend auf aktuellen Marktdaten beruhen, die es uns ermöglichen, verschiedenen Aktienmarktszenarien Wahrscheinlichkeiten beizumessen.

Ausgehend von dem anhaltenden Megatrend der KI-Revolution, verbunden mit Zinssenkungen rund um den Globus und begleitet von Steuersenkungen und vielleicht auch Strukturreformen in der westlichen Welt, gehen unsere Modelle für 2025 von einem guten Aktienjahr aus. Wenn sich sogar internationale Krisen beruhigen ließen und sinkende Rohstoffpreise dazu kämen, umso besser. In unseren Modellen schlagen sich die Aussichten in einer Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für ein positives Aktienjahr insgesamt und für ein außergewöhnlich gutes Aktienjahr im Besonderen nieder. Und dies obwohl wir schon für das Aktienjahr 2024 nicht negativ gestimmt waren.

Quelle: Bloomberg / eigene Berechnungen

Auf der negativen Seite haben wir eine erhöhte Bewertung der Technologieaktien und eine extrem hohe Anzahl von möglichen politischen Entwicklungen, die, wenn sie eintreten sollten, zu massiven Kursverlusten führen könnten. Darüber handelte ein Großteil dieses Jahresausblicks, auch wenn keines dieser Risiken aktuell so greifbar wäre, dass man sagen könnte, das geschieht sicher in 2025. Die Anzahl dieser Szenarien ist aber so groß, dass man davon ausgehen kann, dass sich auf Dauer einzelne hiervon realisieren werden. Daher die immer noch weit über dem historischen Durchschnitt liegende Wahrscheinlichkeit eines Crashszenarios. Bei vielem, was heute entschieden wird, stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit. Und dies in der mehrfachen Bedeutung dieses Wortes.

Bei den Börsenfavoriten, die wir jedes Jahr benennen, gehen wir davon aus, dass Technologietitel auch weiterhin an der Spitze liegen werden. In der Abfolge der regionalen Aktienmärkte sehen wir weiterhin die USA auf Platz 1. Dahinter nehmen wir aber eine Veränderung mit Europa vor China vor. Wenn sich in Europa etwas bewegen sollte, dann ist der resultierende Effekt größer als irgendwo anders.

Alles, was wir geschrieben haben, wurde gründlich recherchiert. Aber natürlich kann man auch anderer Meinung sein und unfehlbar sind wir nicht. Dieser Text wurde auch nicht mit KI erzeugt, so dass mir zum Abschluss bleibt, Ihnen allen persönlich eine gutes und erfolgreiches Jahr 2025 zu wünschen.

Kay-Peter Tönnes

Bad Homburg v.d.H., den 12.12.2024

Maßvolle globale Konjunkturdynamik – Beginn der Zinssenkungspolitik

Gastbeitrag von Folker Hellmeyer – Chefvolkswirt der Netfonds AG

Das 3. Quartal 2024 war gekennzeichnet von maßvoller Konjunkturdynamik in der Weltwirtschaft. Geopolitik wirkte sich durch Eskalationen und verschärfte Sanktionsregime belastend aus. Die Eskalationen im Ukraine- (Waffengattungen, Kursk) als auch Nahost-Konflikt (Libanon) setzten sich im 3. Quartal fort. Geopolitik ist und bleibt der entscheidende Grund für Zurückhaltung der Wirtschaftssubjekte weltweit.                                                   

Der Internationale Währungsfonds bestätigte im Juli 2024 die Wachstumsprognose gegenüber der April-Prognose für das Wirtschaftswachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr bei 3,2% (2023 3,3%). Das Wachstum bleibt laut IWF global ungleich verteilt. Industrieländer werden laut aktueller IWF-Prognose 2024 um 1,7% zulegen, während die aufstrebenden Länder die Wirtschaftsleistung um 4,3% ausweiten werden. Der so genannte Globale Süden bleibt der Taktgeber und Stabilisator der Weltwirtschaft. Innerhalb des Globalen Südens ist Asien bezüglich der Wirtschaftsentwicklung dominant. Die IWF-Prognose für den asiatischen Raum liegt bei 5,4%.

Innerhalb der großen Industrienationen kam es im 3. Quartal 2024 zu geringfügigen Verschiebungen, die grundsätzlich die konjunkturelle Schwäche Europas bestätigten. Die BIP-Prognose des IWF für die USA wurde gegenüber der April-Prognose geringfügig von 2,7% auf 2,6% reduziert, während die Prognose für die Eurozone von 0,8% auf 0,9% erhöht wurde. Deutschlands bleibt mit 0,2% Wachstum das Schlusslicht der westlichen Welt. Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindizes (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich zum Ende des Quartals ein heterogenes Bild zu Lasten Kontinentaleuropas. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) mit 55,4 Zählern vor Großbritannien mit 52,9 Punkten, Japan mit 52,5 Zählern und der Eurozone mit 48,9 Punkten (Deutschland 47,2).

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 3. Quartal überwiegend Entspannungssignale. Wesentlicher Hintergrund war der sinkende Ölpreis. Im Ultimovergleich kam es bei der Sorte Brent zu einem Rückgang von knapp 85 USD auf circa 72 USD (-15,3%).  In der Eurozone ergab sich ein Rückgang der Verbraucherpreise in der Phase von Juni bis August von 2,5% auf 2,2%, in den USA kam es zu einem Rückgang von 3,0% auf 2,5%, dagegen in Japan zu einer Zunahme von 2,8% auf 3,0%. Großbritannien verzeichnete von Juni bis August einen Anstieg 2,0% auf 2,2%. Im Verlauf des 3. Quartals bestätigte sich das Disinflationsbild in China mit einem Anstieg der Verbraucherpreise zuletzt um 0,6% und einem Rückgang der Erzeugerpreise um 1,8%.

Das 3. Quartal war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von Zinssenkungen in der Eurozone, den USA und im UK. Die EZB senkte den Leitzins im September von zuvor 4,25% auf 3,65%. Die Federal Reserve startete den Zinssenkungszyklus mit einer Reduktion um 0,50% auf ein Zielband der Fed Funds Rate bei 4,75%-5,00%. Das Entscheidungsgremium der Bank of England veranlasste die erste Zinssenkung im August von zuvor 5,25% auf 5,00%.

Tabelle 1: Entwicklung der Verbraucher- und Erzeugerpreise Quelle: Netfonds AG

Fazit: Die Weltwirtschaft hält trotz Krisenherden das Niveau der Dynamik. Die Homogenität zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens im Konjunkturverlauf wird fragmentierter und verringert sich strukturell. Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, läuft der „Westen“ das Risiko durch Abgrenzungspolitik gegenüber China und Russland unterproportional zu wachsen.

Die Perspektive: Seichte Erosion der Wirtschaftsdynamik Eine kurzfristige Trendwende zu nachhaltig erhöhter globaler Wirtschaftsdynamik ist am Ende des 3. Quartals 2024 für das vierte Quartal 2024 vor dem Hintergrund von Dynamikverlusten (PMIs) nicht erkennbar. Eine seichte Erosion des moderaten Wachstumsclips ist zu erwarten. Die vom Westen forcierte Geopolitik mit verschärften Sanktionsregimen zeitigen bremsende und spaltende Konjunktureinflüsse. Diese Politik beeinträchtigt auch die Schwellenländer, ohne deren positive Grundtendenz zu gefährden. Um dieser Belastung durch den Westen entgegen zu wirken, werden die Strukturen des Globalen Südens weiterentwickelt, allen voran die BRICS-Organisation (BRICS Treffen in Kasan im Oktober), die vor einer weiteren deutlichen Ausweitung steht.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer etwas unausgeprägteren Konjunkturdynamik. Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per August 2024 mit 52,8 Punkten (Mai 53,7) eine Abschwächung der Dynamik.

Die Einkaufsmanagerindices (PMIs) signalisieren in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes nur noch für das UK Wachstum (51,5 Punkte). Für die USA (47,0 Punkte) und Japan (49,6 Punkte) implizieren die Indexstände moderate bis leichte Kontraktion. Dagegen sind die Vorzeichen für die Eurozone (44,8 Punkte) und Deutschland (40,3 Zähler) in Richtung einer fortgesetzten Rezession in diesem Sektor ausgerichtet.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor aus Indien (56,7), aus Russland (52,1) und aus Brasilien (50,4) belegen die positive Divergenz zu Gunsten des Globalem Südens. Chinas PMI stellte sich zuletzt auf 49,8 Punkte. Ende September verfügte China ein massives Wirtschaftspaket, um Wachstum zu fördern.                             

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im ersten Quartal 2024 laut Einkaufsmanagerindizes in einer Gesamtbetrachtung im Quartalsvergleich global in einer Aufwärtsbewegung.

Tabelle 2: Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors im Vergleich Quelle: Netfonds AG

Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60%-70% der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 3. Quartal der entscheidende Katalysator des Wachstums.

Der Dienstleistungssektor der Eurozone verlor im 3. Quartal an Dynamik. Die USA verzeichneten weiter eine starke Dynamik. Großbritannien und Japan gewannen an Momentum. Russland verzeichnete eine Trendumkehr zu Wachstum. Indien hält weiter den Spitzenplatz, Brasilien knapp das respektable Niveau. China verliert an Momentum.            

Die vollzogenen Zinssenkungen als auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität Unterstützung. Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen. Die bisherigen Leitzinssenkungen als auch die unterstellten Leitzinspolitiken hatten auf den Rentenmärkten einen die Rendite reduzierenden Einfluss. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sank im Quartalsvergleich von 2,48% auf aktuell 2,14%. In den USA kam es zu einem Renditerückgang im Ultimovergleich von 4,39% auf 3,76%.

Der Rohstoffsektor entlastete die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte im 3. Quartal. Der Ölpreis (Brent) sank im Quartalsvergleich um rund 15%. Bei den Erdgaspreisen kam es in Europa zu einem Rückgang im Quartalsvergleich um 8,9%. In den USA ergab sich ein Anstieg um 16,9%. Bei Industriemetallen kam es zu keinen klaren Tendenzen. Gleiches gilt bei Agrarrohstoffen. Preissteigerungen und Preisrückgänge hielten sich weitgehend die Waage. Nach vorne schauend sind kurzfristig keine markanten Verwerfungen an den Rohstoffmärkten auszumachen. Die verfügbaren Fakten liefern keine Grundlagen für einen starken Trendwechsel in Richtung der Weltkonjunktur in zeitlicher Nähe.   

Die Spreizung bezüglich der Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen wird sich zu Gunsten der Schwellenländer fortsetzen. Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft

An den Finanzmärkten ergab sich im Sommerquartal nach dem kurzfristigen Einbruch Anfang August eine ausgeprägte Risikobereitschaft. Entscheidende Faktoren waren die rückläufigen Inflationsentwicklungen in Europa und den USA, die zu Zinssenkungen und Zinssenkungserwartungen führten. Weder das konjunkturelle Umfeld noch die geopolitische Lage lieferten entscheidende positive Impulse.

Aktienmärkte: Viele neue Rekordstände im laufenden Quartal

Das Sommerquartal reüssierte mit vielen neuen Rekordständen an den internationalen Aktienmärkten. Im Verlauf des Quartals wurden neue Kursrekorde im MSCI World, im DAX, im EuroStoxx 50, im S&P 500, im US Tech 100, im Nikkei und im Sensex markiert.          

Der MSCI World Index verzeichnete einen Anstieg im Ultimovergleich um 6,02% und markierte zum Quartalsende eine neue historische Höchstmarke (27.9.2024). Im Sommerquartal war der breite US-Markt gefragter als der Tech-Sektor. Während der S&P 500 um 5,48%% zulegte, verzeichnete der US Tech 100 ein Plus in Höhe von 1,94%.

Japans Aktienmarkt unterlag großen Schwankungen. Nach Markierung einer neuen historischen Höchstmarke am 11. Juli (42.426,77) kam es zu Verwerfungen (Tiefpunkt Nikkei am 5. August 31.458,42, Zinsunsicherheit, Auflösung von JPY-Carry-Trades), die nur in Teilen im weiteren Verlauf des Quartals neutralisiert wurden. Am Ende kam es zu einem Rückgang im Quartalsvergleich um 4,20%.

Tabelle 3: Vergleich der Aktienmärkte im Quartalsverlauf Quelle: Netfonds AG

Europäische Aktienmärkte konnten nach dem zwischenzeitlichen Einbruch Anfang August markant an Boden gewinnen. Dabei spielten die günstigen Bewertungen im internationalen Vergleich, die Eindeckung von Leerverkäufen, die EZB-Zinssenkung und milde Inflationsdaten eine Rolle. Die Vorteile des US-Wirtschaftsraums gegenüber Europa bezüglich der Themen Innovationspolitik, Regulatorik, Energiepolitik, Steuerpolitik und Subventionspolitik wirkten und wirken an den Märkten grundsätzlich zu Gunsten der Allokation in US-Werte. Der Beginn der US-Zinssenkungspolitik Mitte September als auch schwache Inflationsdaten sorgten für einen freundlichen Quartalsschluss.

Europäische Aktienmärkte konnten nach dem zwischenzeitlichen Einbruch Anfang August markant an Boden gewinnen. Dabei spielten die günstigen Bewertungen im internationalen Vergleich, die Eindeckung von Leerverkäufen, die EZB-Zinssenkung und milde Inflationsdaten eine Rolle. Die Vorteile des US-Wirtschaftsraums gegenüber Europa bezüglich der Themen Innovationspolitik, Regulatorik, Energiepolitik, Steuerpolitik und Subventionspolitik wirkten und wirken an den Märkten grundsätzlich zu Gunsten der Allokation in US-Werte. Der Beginn der US-Zinssenkungspolitik Mitte September als auch schwache Inflationsdaten sorgten für einen freundlichen Quartalsschluss.

Die Schwäche an Chinas Aktienmarkt (CSI 300) war bis zum 23. September ausgeprägt. Mit den dann folgenden Ankündigungen eines umfassenden Wirtschaftsprogramms (Zinssenkungen, massive Wirtschaftsmaßnahmen, Deregulierung) ging es in der letzten Quartalswoche bis zum Ultimo um 25% in die Höhe (Höchststand seit Mai 2023). Von dieser Entwicklung in Festlandchina profitierte auch der Aktienmarkt Hongkongs. Der Hangseng Index legte in der letzten Berichtswoche um 15,8% zu. Indien lebt eine politische Ambivalenz zwischen dem Westen und Osten und ist bisher nicht von politisch motivierter Kapitalallokation seitens des Westens betroffen. Indiens Wirtschaft liefert ein starkes Wachstumsbild bei sinkender Inflation. Indiens Sensex Aktienmarktindex stieg um 6,66%.                                                                                                                        Fazit:  Der Aufwärtsmodus an den Aktienmärkten gewann im 3. Quartal 2024 ex Japan an Dynamik. Zinssenkungen und Zinssenkungserwartungen in der westlichen Hemisphäre ex Japan basierend auf unerwartet stark rückläufigen Inflationstrends einerseits und das massive Wirtschaftspaket Chinas andererseits trugen die positiven Entwicklungen nach der temporären Schwäche Anfang August ausgehend von Japan.

Rentenmärkte: Rückläufige Renditen im Quartalsverlauf

Die Rentenmärkte der USA und Europas zeigten sich im Verlauf des Quartals in freundlicher Verfassung. Auch an Japans Rentenmärkte ergibt trotz zarter Anhebung des Leitzinses auf 0,25% eine Entspannung.

Das zu größten Teilen entspanntere Inflationsszenario insbesondere in der westlichen Welt wirkte sich nahezu durchgehend unterstützend für die Rentenmärkte aus. So wurden die Renditespitzen für 10-jährige US-Staatspapiere am 1. Juli mit 4,49% markiert. Die tiefste Rendite wurde am 16. September bei 3,62% verzeichnet (Stand 30. September 3,76%).

Die 10-jährige Bundesanleihe markierte am 1. Juli mit 2,61% den Renditehöchststand des Quartals, um dann einen Renditetiefststand am 11. September bei 2,09% zu erreichen (Stand 30. September 2024 2,14%).

 Im Quartalsvergleich kam es zu Rückgängen der Renditen in den USA (-0,63%), in Deutschland (-0,35%), in Großbritannien (-0,14%), in Japan (-0,19%) und in China (-0,03%).

Tabelle 4: Vergleich der Rendite – Entwicklungen an den Rentenmärkten

Fazit: Leichte Fissuren in der Dynamik der Weltwirtschaft als auch stärkere Inflationsrückgänge lieferten Steilvorlagen für freundliche Rentenmärkte. Diese Tendenzen sollten sich im 4. Quartal zunächst bis zu den US-Präsidentschaftswahlen fortsetzen.

Devisenmärkte: EUR gewinnt nur gegenüber dem USD

An den Devisenmärkten konnte der Euro gegenüber dem USD an Boden gewinnen. Hintergrund der freundlichen Verfassung des Euros sind stärkere US-Zinssenkungserwartungen.  Die Schwäche des Euros gegenüber JPY, CHF und GBP erklärt sich maßgeblich durch die schwache Verfassung der Wirtschaftsstruktur als auch der Konjunktur Deutschlands. Sowohl JPY, CHF und GBP haben gegenüber dem USD stärker Boden gewonnen als der EUR.

Tabelle 5: Devisenkursentwicklungen

Fazit: Die Bewertung des USD alterniert stark mit Zinssenkungserwartungen. Die Bewertung des EUR ist gegenüber dritten Währungen dagegen konjunkturabhängiger. Dieses Muster sollte sich zunächst im vierten Quartal fortsetzen.

Folker Hellmeyer

Chefvolkswirt der Netfonds AG